Anleitung Crash-Seide selber herstellen

Anleitung: Crash-Seide selber herstellen 

Crash-Seide, die teilweise auch als gecrushte oder plissierte Seide bezeichnet wird, ist zunächst einmal nichts anderes als Seide, die dauerhafte Fältchen hat.

Während bei plissierter Seide die Fältchen aber strenggenommen nur in Längsrichtung verlaufen und sehr regelmäßig und fein sind, dürfen die Fältchen bei Crash-Seide auch unregelmäßig ausfallen und fast schon an eine Knitteroptik erinnern.  

 

Verwendet wird gecrashte oder plissierte Seide für die unterschiedlichsten Dinge, angefangen bei Kleidungsstücken wie Röcken und Blusen über Accessoires wie Schals, Tücher und Taschen bis hin zu Wohntextilien wie Kissenhüllen und Vorhängen. Beim Crashen werden die thermoplastischen Eigenschaften der Seide ausgenutzt.

Diese sorgen dafür, dass die Falten dauerhaft erhalten bleiben, wenn die Seide in Falten gelegt und die Falten mit Feuchtigkeit und Hitze fixiert werden. Dabei sind leichte bis mittelschwere, glatt gewebte Seidenstoffe wie Pongé, Twill, Satin oder Seidentaft besonders gut für das Crashen geeignet, weil hier die Falten dauerhaft sehr gut zur Geltung kommen. Grundsätzlich können aber auch andere Seidenstoffe wie beispielsweise Seidensamt gecrasht werden, nur sind die Falten hier nicht ganz so ausgeprägt.

 

 

Wie es möglich ist, Crash-Seide selbst herzustellen,
erklärt die folgende Anleitung:
 

 

Crash-Seide selber machen – die Anleitung

Wer Seide crashen möchte, benötigt ungefähr die drei- bis vierfache Menge an Seide wie für ein vergleichbares Kleidungsstück oder Accessoire ohne Fältchen. Das Crashen selbst gliedert sich dann im Wesentlichen in zwei Arbeitsschritte, nämlich in das Legen und das Fixieren der Fältchen im Seidenstoff.   

 

1. Schritt: die Seide in Falten legen

Um den Seidenstoff in Falten zu legen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Begonnen wird aber zunächst einmal damit, dass die Seide angefeuchtet wird, denn so wird die Handhabung deutlich einfacher. Je nach dem, wie die Falten später aussehen sollen, kann die Seide nun folgendermaßen bearbeitet werden:

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Die Seide wird von einer Kante aus von Hand in feine oder breitere, gleichmäßige oder unregelmäßige Falten gelegt. Die gefaltete Seide wird dann mit einem reißfesten Garn aus weißer Baumwolle fest umwickelt. Wenn das Garn gut verschnürt ist, wird anschließend auch die gegenüberliegende Kante zu einem festen Bündel zusammengebunden. Durch diese Methode entstehen Längsfalten.

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Für sehr gleichmäßige Längsfalten kann die Seide auch mithilfe von Nadel und Faden in Falten gelegt werden. Dabei entspricht eine Stichlänge der späteren Breite der Falten. Bei größeren Stoffstücken reichen Stichreihen an den beiden gegenüberliegenden Kanten allerdings nicht aus, sondern hier sollte etwa alle 20cm eine Stichreihe genäht werden.

Ist die Seide komplett vorbereitet, werden die Enden der Fäden einfach zusammengezogen, wodurch sich die Seide automatisch wie eine Ziehharmonika in gleichmäßige Falten legt.

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Die Seide kann auch zu einer Art Seil zusammengedreht werden. Dazu wird der Stoff zuerst zusammengerafft, indem kleine Falten gelegt werden. Anschließend wird der Stoff an beiden Enden gehalten, straff gespannt und gegenläufig eingedreht, etwa so wie beim Auswringen. Ist der Stoff fest eingedreht, werden die beiden Enden fest abgebunden.

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Für unregelmäßige Falten im Sinne einer Knitteroptik wird die Seide beliebig zusammengerafft und zu einem festen Bündel verschnürt.
Der abgebundene Seidenstrang wird nun zu einer Kordel eingedreht. Dies gelingt am einfachsten, wenn die beiden Enden in eine Hand genommen werden, so dass eine Schlaufe entsteht.

Mit der anderen Hand wird der Strang nun gespannt und gleichzeitig an der Schlaufe sooft wie möglich gedreht. Dadurch dreht sich der Strang automatisch zu einer Kordel ein. Zum Schluss werden die beiden Enden durch die Schlaufe geschoben, so dass ein festes Bündel vorhanden ist, das sich nicht mehr lösen kann.  

 

 

2. Schritt: die Falten fixieren

Die Fältchen in der Seide werden durch Feuchtigkeit und Hitze haltbar gemacht. Auch hierfür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wobei im Folgenden zwei Varianten vorgestellt werden:

1.      
Die einfachste Methode besteht darin, die Seide zu kochen. Dazu wird der Stoff in einen großen Topf mit kochendem Wasser gegeben. Das Wasser muss die Seide dabei vollständig bedecken. In dem Wasser muss die Seide dann gute 20 Minuten lang köcheln.

Danach wird die Seide aus dem Wasser genommen und ausgewrungen, nachdem sie abgekühlt ist. Sie bleibt allerdings weiterhin verschnürt. Möglich ist übrigens auch, die Seide in einem Farbbad zu kochen. Dabei entstehen sehr schöne, batikartige Farbeffekte, weil die Seide nur außen eingefärbt wird, während der Stoff im Inneren des Bündels keine Farbe abbekommt.

2.      
Eine etwas aufwändigere Methode besteht darin, die Falten mithilfe von Dauerwellenflüssigkeit zu fixieren. Hierbei wird eine ganz gewöhnliche Dauerwellenflüssigkeit verwendet, bei der die Verpackung üblicherweise zwei Flüssigkeiten beinhaltet. Eine alkalische, also eine sogenannte saure oder Schaumwelle ist allerdings nicht geeignet.

Eine Packung reicht dabei für etwa vier Meter Seide. Um die Falten zu fixieren, wird das Seidenbündel nun zuerst mit der ersten Flüssigkeit durchnässt, in ein mikrowellengeeignetes Gefäß gelegt und mit einem Deckel oder Frischhaltefolie abgedeckt. Nun kommt die Seide in die Mikrowelle, die auf 400 bis 500 Watt eingestellt wird. Wie lange die Seide in der Mikrowelle bleiben muss, ergibt sich aus der Anleitung für die Dauerwelle, meist ist es jedoch eine gute halbe Stunde.

Nach etwa der Hälfte der Zeit sollte die Seide umgedreht werden, wobei hier Vorsicht geboten ist, denn sie ist nun sehr heiß. Die Wattzahl darf außerdem auch nicht erhöht werden, um die Einwirkzeit zu verkürzen, denn dies würde nur dazu führen, dass der Stoff verbrennt. Nach Ende der Einwirkzeit wird die Abdeckung entfernt und die Flüssigkeit gründlich aus der verschnürten Seide ausgewaschen, wenn der Stoff etwas ausgekühlt ist.

Anschließend wird der Stoff mit der zweiten Flüssigkeit getränkt und kommt wieder abgedeckt erneut bei 400 bis 500 Watt und für die auf der Verpackung angegebene Zeit in die Mikrowelle. Danach wird er in abgekühltem Zustand ausgewaschen und noch einmal für zehn Minuten bei gleicher Temperatur in die Mikrowelle gegeben. Um nun endgültig alle Rückstände der Dauerwellenflüssigkeit aus dem Stoff zu entfernen, wird das Seidenbündel in einem Seidenwaschmittel ausgewaschen. Nun kann der Seidenstoff einfach an der Luft oder in der Nähe der Heizung trocknen.

Ist die Seide sehr fest eindreht oder handelt es sich um eine große Stoffmenge oder einen dicken Seidenstoff, kann dies allerdings mehrere Tage lang dauern. Um den Vorgang zu beschleunigen und die Falten gleichzeitig zusätzlich zu stabilisieren, kann die Seide auch im Backofen getrocknet werden. Dazu wird sie auf ein Gitter gelegt und bei knapp 100 Grad getrocknet.

Die Ofentür sollte dabei leicht geöffnet sein, weil so die Feuchtigkeit besser entweichen kann. Wenn die Seide vollständig durchgetrocknet ist, wird das Bündel geöffnet und damit ist die selbstgemachte Crash-Seide fertig. 

 

Weiterführende Tipps für Seidenstoffe und Seidenmalerei:

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