Übersicht – die verschiedenen Pongé-Seiden

Übersicht: die verschiedenen Pongé-Seiden

Wer sich mit der Seidenmalerei beschäftigt, Kleidungsstücke und Heimtextilien aus Seide näht oder Seidenstoffe für andere kreative Arbeiten verwendet, wird zwangsläufig auch Pongé-Seiden begegnen. Pongé-Seiden gehören nämlich zu den Seiden, die am häufigsten verarbeitet werden.

Übersicht die verschiedenen Pongé-Seiden

Dabei sind Pongé-Seiden nicht nur echte Multitalente, sondern durch die verschiedenen Qualitäten lässt sich für nahezu jeden Zweck eine passende Seide finden.

Die folgende Übersicht stellt die verschiedenen Pongé-Seiden vor:

Pongé 04

Die zarteste und leichteste Qualität von Pongé-Seiden ist die Pongé 04. Diese weich fließende Seide kennzeichnet sich durch ihren Glanz und ihre Transparenz.

Von allen Pongé-Seiden eignet sich die Pongé 04 am besten für das Nuno-Filzen, denn die Wollfasern durchdringen leicht das feine Gewebe und können sich gleichzeitig hervorragend an der Seide festhalten.

Im Ergebnis entsteht ein Filzstoff mit einem wunderbaren Schimmer auf der seidenen Seite, der einen tollen Kontrast zur Wolloptik bildet. Daneben bietet sich Pongé 04 für leichte und transparente Dekorationen an.

Allerdings ist das zarte Gewebe recht empfindlich, weshalb das Bemalen, das Färben und die Verarbeitung behutsam erfolgen sollten.

Pongé 05

Pongé 05 ist eine Seidenqualität, die sehr häufig für kreative Arbeiten verwendet wird. Pongé 05 ist weich, zart, leicht, fällt fließend, hat eine glatte Oberfläche und zeigt den seidentypischen Glanz.

Verglichen mit anderen Seidenstoffen ist Pongé 05 zudem recht kostengünstig. Pongé 05 eignet sich hervorragend zum Färben und für die Seidenmalerei.

Sie nimmt die Farbe sehr gut auf, hat ausgezeichnete Fließeigenschaften und lässt sich optimal mit Konturenmittel oder Wachs gestalten. Aus diesem Grund wird die Pongé 05 mitunter auch Batikseide genannt.

Aber auch andere textile Techniken wie beispielsweise das Crashen, das Plissieren oder das Nuno-Filzen können auf Pongé 05 umgesetzt werden.

Ein weiterer Pluspunkt liegt darin, dass diese Seide kaum dazu neigt, auszufransen. Deshalb ist es nicht unbedingt notwendig, die Kanten zu rollieren. Dadurch wiederum eignet sich Pongé 05 sehr gut für Dekorationen, beliebt sind beispielsweise Betthimmel aus diesem Material, für leichte Schals und für luftige Tücher.

Außerdem wird Pongé 05 gerne für Schleier verwendet. Reste oder nicht ganz so gut gelungene Arbeiten aus Pongé 05 können sogar in feine Streifen gerissen und anschließend alleine oder kombiniert mit Wolle in Strickarbeiten verwertet werden.

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Pongé 06

Pongé 06 ist ebenfalls eine leichte, feine Seide. Gleichzeitig verleihen das höhere Stoffgewicht und das dichtere Gewebe der Seide Stabilität.

Deshalb wird Pongé 06 gerne für Bastelarbeiten verwendet, die leichte, aber trotzdem stabile Materialien erfordern.

So ist die Seide ein beliebter Stoff für Lampions und Laternen, für Flugdrachen und auch im Flugzeug-Modellbau. Da Pongé 06 sehr gut bemalt und eingefärbt werden kann, wird sie außerdem für Schals und Tücher genutzt.

Pongé 08

Pongé 08 dürfte die vielseitigste Seide aus der Familie der Pongé-Seiden sein. Diese Seidenqualität ist fein und leicht, durch das dichte Gewebe aber gleichzeitig stabil. Sie lässt sich hervorragend färben und bemalen und lässt die Farben dabei intensiv leuchten.

Pongé 08 ist auch unter der Bezeichnung Futterseide bekannt, was daran liegt, dass die Seide gerne als edler Futterstoff verwendet wird.

Da die Seide recht blickdicht ist und sich vergleichsweise einfach vernähen lässt, wird sie aber auch für Kleidungsstücke verwendet, beispielsweise für leichte Blusen.

Außerdem werden aus Pongé 08 sehr viele Accessoires wie Tücher, Schals und Krawatten angefertigt. Daneben ist Pongé 08 ein beliebter Stoff für edle Kissenhüllen und für dünne Schlafsäcke.

Pongé 10

Die Pongé 10 gehört zu den mittelschweren Qualitäten. Die Seide hat eine dichte und glatte Oberfläche und schimmert seidenmatt.

Das dichte Gewebe ist blickdicht und lässt sich sehr gut vernähen. Deshalb wird Pongé 10 gerne für Blusen und Hemden sowie für leichte Sommerkleider verwendet.

Die Seide fällt zwar nicht ganz so fließend, lässt sich dafür aber hervorragend drapieren. Deshalb ist die Seide auch ein beliebtes Material für edle Dekorationen.

Ähnlich wie die etwas leichtere Pongé 08 eignet sich Pongé 10 außerdem ausgezeichnet zum Färben und für die Seidenmalerei. Die Farben erscheinen auf der Seide intensiv und leuchtstark.

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Pongé 12 und 14

Die Pongé-Seiden 12 und 14 gehören zu den schweren Seiden und werden auch als Kleiderseiden bezeichnet.

Die hohe Webdichte macht die Seiden stabil, haltbar und blickdicht. Sie glänzen nicht, sondern kennzeichnen sich durch eine sanft und edel schimmernde Oberfläche.

Pongé 12 und Pongé 14 werden in erster Linie für Bekleidung und für Wohntextilien wie Kissen und Decken verwendet, während sie für kreative Zwecke eher selten genutzt werden.

Dabei sind die schweren Seiden auch zum Färben und zum Bemalen exzellent geeignet, denn das dichte Gewebe bildet eine sehr gute Grundlage für satte, intensiv leuchtende Farben.

Was bedeutet „Pongé“ – und wofür stehen die Zahlen?

Pongé (oft auch Habotai-Seide) ist eine fein glatte Leinwandbindung mit seidentypischem Schimmer.

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Die Ziffern (04, 05, 08 …) stehen im Handel praxisnah für Gewichtsabstufungen: je höher die Zahl, desto dichter, stabiler und blickdichter der Stoff.

Das hilft bei der Wahl: von ultraleicht (Deko, Nuno) bis kleidsam-stabil (Blusen, Kleider, Kissen).

Die 30-Sekunden-Auswahlhilfe

  • Pongé 04: extrem zart & transparent → Nuno-Filzen, zarte Deko.
  • Pongé 05: Allrounder für Seidenmalerei, Batik, Schleier, Tücher; reißt sich sauber in Streifen.
  • Pongé 06: leicht, aber strukturstabil → Lampions, Laternen, Drachen, Modellbau + Tücher.
  • Pongé 08: „Futterseide“ & Accessoire-Held → Schals, Krawatten, Blusenfutter, dünne Schlafsäcke.
  • Pongé 10: mittelschwer, blickdicht, gut zu nähen → Blusen/Hemden, Sommerkleider, Deko.
  • Pongé 12/14: schwer & haltbar → Kleider, Kissen, leichte Decken, intensives Farbbild, edler Mattglanz.

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Färben & Bemalen: so strahlen die Farben

Systeme verstehen:

  • Dampffixier-Farben (Acid/Säurefarben): tiefes Eindringen, maximale Brillanz und Waschbeständigkeit; Fixierung im Dampf.
  • Bügelfixier-Farben (Textilmalfarben): schnell & praktisch, leicht filmbildend (etwas festerer Griff).
  • Resist/Serti-Technik: Gutta (lösungsmittel- oder wasserbasiert) bzw. Wachs als Konturenmittel für saubere Felder.

Prozess in 6 Schritten:

  1. Vorwaschen (handwarm, pH-neutrales Seidenwaschmittel) → Appreturen weg.
  2. Spannen (staubfrei, gleichmäßig) → Kontrolliertes Verlaufen.
  3. Skizzieren/Resist → Linien schließen (Kapillareffekt!).
  4. Malen/Färben → nass-in-nass = weich, auf trockenem Grund = hartkantig.
  5. Fixieren (Dampf oder Bügel je nach System).
  6. Auswaschen & Trocknen → überschüssige Pigmente lösen, wieder weich bügeln.

Fehler vermeiden (und beheben):

  • „Bluten“ an Kanten? Konturen nachziehen und trocknen lassen; bei wasserbasierter Gutta: Heißluft kurz anblasen.
  • Matte Stellen bei Bügelfarbe? Dünner arbeiten, Zwischenlage nutzen, Hitze gleichmäßig.
  • Farbwolken? Untergrund gleichmäßig anfeuchten oder ganz trocken arbeiten – nicht „dazwischen“.

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Nähen ohne Stress: kleine Tools, große Wirkung

  • Nadeln: Microtex 60/8–70/10, frisch; feines Poly-/Seidengarn (NM 100).
  • Stich: 2,0–2,5 mm, ggf. Obertransport oder kleines Teflon-/Mikrofußchen.
  • Schnitt & Fixierung: feines Gewebe-Einlagevlies (proben!), Sprühstärke für saubere Kanten.
  • Nahtbilder: Französische Naht für dünne Pongé-Qualitäten; Babysaum/Rollsaum an Schals; Paspeln bei 10–14 für Form.
  • Kanten gegen Ausfransen: schmaler Zickzack, Overlock fein, Rollsaum – oder bei Pongé 05: sauber reißen, dann versäubern.

Pflege, Haltbarkeit & Aufbewahrung

  • Waschen: handwarm, pH-neutral, ohne Bleiche/Enzyme. Nicht wringen; in ein Handtuch einrollen.
  • Bügeln: von links, seideneinstellung, leicht feucht – der Glanz bleibt.
  • Licht: Seide liebt Schattierung – direkte Sonne lässt Farben schneller ermüden.
  • Aufbewahrung: säurefreies Seidenpapier, trocken, dunkel; Schals locker lagern (keine scharfen Falten).

Qualitätsmerkmale beim Kauf

  • Webbild: gleichmäßig, keine Verdickungen/Knötchen (Slubs) in klassischen Pongé-Qualitäten.
  • Entbastung (degummed): vollständig entbastete Ware fällt weicher und nimmt Farbe homogener an.
  • Breiten & Zuschnitt: gängig 90–140 cm; kalkuliere Schrumpf durch Dampf/Waschen ein (erst testen!).
  • Transparenztest: Stoff gegen Licht halten – gleichmäßige Dichte spricht für gute Warenqualität.
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Wann nicht Pongé – sondern Chiffon oder Crêpe de Chine?

  • Chiffon: deutlich durchsichtiger, größere Luftigkeit, rauer Griff – für „schwebende“ Lagenlook-Effekte.
  • Crêpe de Chine: körniger, fallend, weniger spiegelnder Glanz – ideal, wenn Drapé wichtiger ist als reine Glätte.

Wenn du glatte Oberfläche + sauberes Farbbild suchst, liegst du mit Pongé weiterhin goldrichtig.

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Projektideen, die sofort funktionieren

Schal mit Serti-Konturen (Pongé 05/08): florale Linien mit Gutta, nass-in-nass Farbverlauf, Dampf fixieren – fertig.

Drapierte Tischdeko (Pongé 10): Kanten als Babysaum, mittig Färbeverlauf, locker legen – seidenmatter Glanz sorgt für Tiefe.

Kissenhüllen (Pongé 12/14): kräftiges Motiv, verdeckter Reißverschluss, Paspel – robust & edel.

Häufige Fragen (kompakt)

„Eignet sich Pongé 04 nur für Nuno-Filz?“
Vor allem ja – es lässt Wollfasern gut durchdringen. Für reine Malerei ist 05/08 häufig dankbarer.

„Wie verhindere ich Ausfransen bei Pongé 05 ohne Rollsaum?“
Kanten gerade reißen, dann sehr schmal versäubern (Overlock fein/Zickzack). Für Schleier reicht oft schon der saubere Riss plus Minimalfinish.

„Warum wirkt die gleiche Farbe auf 08 und 12 unterschiedlich?“
Dichte & Oberfläche verändern Aufnahme und Lichtreflexion. Auf schwereren Qualitäten erscheinen Töne satter & ruhiger.

„Kann ich Pongé in der Maschine waschen?“
Bei Alltagsstücken ab 08 im Schonwaschgang mit Wäschebeutel – aber Bemaltes besser Handwäsche und vorab Probestück testen.

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Hier schreiben Michael Husmann, Geschäftsinhaber einer B2B Stoffhandel Firma, die Künstlerin Elke Bornholt, mit einem Faible für Seidenmalerei und Bastelarbeiten, Karina Notzko, - Schneidermeisterin, die Youtuberin Sevilart ( Deko, Bastel und Kreativ-Videos) sowie Christian & Ferya Gülcan (Fashionexpertin), - Künstler (Maltechniken) Inhaber Koozal Galerie & Design (auch Import & Handel Seidenwaren), Betreiber der Webseite und Redakteure. Wir möchten alles Wissenswerte rund um Seide, Seidenmalerei und Mode aus Seidenstoffen vermitteln.

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