Ausführliche Strickanleitung für eine Seidenkrawatte, Teil 2

Ausführliche Strickanleitung für eine Seidenkrawatte, Teil 2

Manche Männer tragen gerne Krawatte, für andere Männer gehört ein Schlips zum Outfit im Beruf und bei feierlichen Anlässen eben dazu. Doch es muss nicht immer nur eine klassische Krawatte mit Windsor-Knoten sein. Modebewusste greifen neuerdings nämlich zur Strickkrawatte. Eine gestrickte Krawatte verknüpft klassische Eleganz mit einem jungen, lässigen Stil. Allerdings sind Strickkrawatten von namhaften Herstellern, aus edlen Garnen oder als handgemachte Einzelstücke mitunter sehr teuer.

Ausführliche Strickanleitung für eine Seidenkrawatte, Teil 2

Wer Spaß am Selbermachen hat, kann sich aber ein Seidengarn und Stricknadeln schnappen und die Krawatte kurzerhand selbst stricken. Denn eine Strickkrawatte anzufertigen, ist nicht so schwer, wie vielleicht gedacht.

In einer ausführlichen Strickanleitung erklären wir, wie es geht. Damit die selbstgestrickte Krawatte aus jedem Garn gearbeitet und in der individuell gewünschten Größe gearbeitet werden kann, war in Teil 1 erst einmal Mathe angesagt.

Wir haben nämlich erklärt, wie die Anzahl der Maschen und Runden für die gestrickte Seidenkrawatte ausgerechnet wird. Wenn diese Werte ermittelt sind, kann das Stricken beginnen.

Und darum kümmern wir uns jetzt in Teil 2!:

Die Strickanleitung für eine Seidenkrawatte

Wir stricken die Krawatte in Runden. Wie bei einer klassischen Krawatte, die aus dem Oberstoff und einem Futter besteht, liegt das Gewebe dadurch doppelt und die gestrickte Seidenkrawatte fällt schöner. Gleichzeitig entsteht durch das Stricken in Runden eine Art Schlauch und ein mühsames Zusammennähen entfällt.

Unsere Seidenkrawatte arbeiten wir glatt rechts. Da wir in Runden stricken, arbeiten wir also immer nur rechte Maschen. Durch das schlichte Muster sieht die Seidenkrawatte edel aus und passt zu vielen Outfits. Wer möchte, kann aber selbstverständlich auch ein anderes Strickmuster wählen.

  1. Den oberen, geraden Teil der Seidenkrawatte stricken

Für die Strickkrawatte werden doppelt so viele Maschen angeschlagen, wie für die gewünschte Breite benötigt werden. In unserer Beispielrechnung wären das für eine 4 cm breite Krawatte 26 Maschen.

Die Maschen werden gleichmäßig auf die vier Nadeln vom Nadelspiel verteilt. Geht die Maschenzahl nicht ganz auf, werden die übrig gebliebenen Maschen zur späteren Vorderseite hinzugefügt.

Die Vorderseite bilden die Maschen auf der zweiten und der dritten Nadel. In unserem Beispiel würden wir die Maschen also so aufteilen, dass auf der ersten und vierten Nadel je 6 und auf der zweiten und dritten Nadel je 7 Maschen liegen.

Anschließend werden solange Runden aus rechten Maschen gestrickt, bis die Strickarbeit 80 cm lang geworden ist.

Tipp:

Wer ein anderes Strickmuster arbeiten möchte, strickt das Muster nur über die Maschen der zweiten und dritten Nadel. Die erste und die vierte Nadel werden glatt rechts gestrickt. Dadurch hat die Strickkrawatte das Muster auf der Vorderseite, während die Rückseite glatt bleibt und besser anliegt.

  1. Den unteren, breiter werdenden Teil der Seidenkrawatte stricken

Ist der schmale Teil, der um den Hals gelegt und zum Knoten gebunden wird, fertig, folgt der Abschnitt der Seidenkrawatte, der zunehmend breiter wird. Um die Strickarbeit zu verbreitern, werden neue Maschen zugenommen.

Wie oft und mit welchen Abständen die Zunahmen erfolgen, haben wir ja bereits ausgerechnet. In unserem Beispiel wären es insgesamt 13 Zunahmen in jeder 19. Runde, damit die Strickkrawatte an der breitesten Stelle 8 cm breit wird.

Die Zunahmen arbeiten wir mit Umschlägen, die in der nächsten Runde rechts verschränkt abgestrickt werden.

Das heißt:

  • Die Maschen der ersten Nadel werden rechts gestrickt, bis nur noch zwei Maschen übrig sind. Dann wird ein Umschlag auf die Nadel gelegt. Anschließend die beiden verbliebenen Maschen rechts stricken.

  • Auf der zweiten und der dritten Nadel werden die Maschen ganz normal und ohne Zunahmen rechts abgestrickt.

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  • Auf der vierten Nadel werden die beiden ersten Maschen rechts gestrickt. Nun folgt ein Umschlag. Danach die Nadel zu Ende stricken.

  • In der nächsten Runde werden die beiden Umschläge rechts verschränkt abgestrickt. Dazu wird die rechte Stricknadel in das hintere Maschenglied auf der Rückseite der linken Nadel eingestochen und eine rechte Maschen gestrickt. Die Umschläge rechts verschränkt abzustricken, ist deshalb wichtig, weil sonst Löcher entstehen würden.

Nach den Zunahmen geht es glatt rechts weiter, bis die nächste Zunahmerunde dran ist. In unserem Beispiel wären das 17 Runden, denn die Runde, in der die Umschläge rechts verschränkt gestrickt werden, zählt mit. In der 19. Runde würden dann die nächsten Zunahmen gearbeitet.

So wird weitergestrickt, bis die errechnete Maschenzahl vorhanden ist und die Strickkrawatte die gewünschte Breite erreicht hat. Dabei erhöht sich die Maschenzahl auf der ersten und der vierten Nadel mit jeder Zunahme. Bei den beiden mittleren Nadeln ändert sich nichts.

Hinweis: Wer ein anderes Muster strickt, arbeitet die Zunahmen auf der Vorderseite der Krawatte. In diesem Fall werden die Maschen also auf der zweiten und der dritten Nadel zugenommen.

  1. Die Spitze der Seidenkrawatte stricken

Sind alle Zunahmen gemacht, ist die breiteste Stelle der Seidenkrawatte erreicht. Nun folgen noch einmal so viele Runden, wie zuvor zwischen den Zunahmen gestrickt wurden. Danach sollte die Strickarbeit insgesamt 140 cm lang sein. Falls nicht, einfach ein paar Runden weiterstricken.

Dann wird es Zeit für die Spitze. Dafür werden die vorhandenen Maschen zunächst gleichmäßig auf die vier Nadeln verteilt, indem ein paar Maschen von der ersten auf die zweite Nadel und einige Maschen von der vierten auf die dritte Nadel geschoben werden. In unserem Beispiel haben wir nach dem Zunahmen 52 Maschen, die wir auf 13 Maschen pro Nadel aufteilen würden.

Die Spitze der Seidenkrawatte stricken wir genauso wie die sogenannte Bandspitze bei Socken. Das heißt:

  • Bei der ersten Nadel wird bis zur drittletzten Masche rechts gestrickt. Dann die drittletzte und die vorletzte Masche rechts zusammenstricken und die letzte Masche ebenfalls rechts stricken.

  • Auf der zweiten Nadel wird die erste Masche rechts gestrickt. Die beiden nächsten Maschen, also die zweite und die dritte Masche, rechts zusammenstricken und die Nadel beenden.

  • Die dritte Nadel wird wie die erste Nadel strickt.

  • Die vierte Nadel wie die zweite Nadel stricken.

Nach der Runde sind es vier Maschen weniger. Dann folgt eine Runde ohne Abnahmen. In den folgenden Runden wird wie oben beschrieben abgenommen. Dabei werden die Abnahmen in jeder Runde gearbeitet, Zwischenrunden ohne Abnahmen gibt es nicht.

Die Abnahmen für die Spitze werden solange wiederholt, bis auf jeder Nadel nur noch eine Masche übrig ist. Nun diese vier Maschen zu zwei Maschen zusammenstricken, den Faden abschneiden und durch die beiden verbliebenen Maschen ziehen.

  1. Die gestrickte Seidenkrawatte fertig stellen

Jetzt wird der Endfaden sorgfältig vernäht. Das Ende kann entweder abgeschnitten oder ins Innere der Strickkrawatte gezogen werden.

Auf der anderen Seite wird die Anschlagskante aufeinandergelegt und mit dem Anfangsfaden flach zusammengenäht. Auch hier kann das Ende wieder in die Krawatte geschoben oder abgeschnitten werden.

Zum Schluss wird die Krawatte anfeuchtet, in Form gezogen und aufgespannt getrocknet. Damit ist die selbstgestrickte Seidenkrawatte fertig!

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Hier schreiben Michael Husmann, 47 Jahre, Geschäftsinhaber einer B2B Stoffhandel Firma, die Künstlerin Elke Bornholt, 39 Jahre, mit einem Faible für Seidenmalerei und Bastelarbeiten, Karina Notzko, 32 Jahre und Schneidermeisterin, sowie Christian Gülcan, Betreiber der Webseite und Redakteur. Wir möchten alles Wissenswerte rund um Seide bzw. Seidenstoffe vermitteln.

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