Was ist Bio-Seide?

Was ist Bio-Seide?

Seide fühlt sich wegen ihrer geringen Dichte angenehm leicht auf der Haut an. Das edle Naturprodukt ist weich und fließend, umspielt den Körper und kennzeichnet sich durch seinen typischen, zarten Glanz. Während Seide im Sommer kühlt, wärmt sie im Winter. So wie es inzwischen viele Produkte aus den unterschiedlichsten Bereichen in Bio-Qualität gibt, ist seit einigen Jahren auch Bio-Seide erhältlich.

Anzeige

Was ist Bio-Seide

Zertifikate belegen, dass die seidenen Produkte unter ökologischen, nachhaltigen und sozialen Aspekten entstanden sind. Doch was genau bedeutet das? Und wodurch unterscheidet sich Bio-Seide von konventioneller Seide?

Wir klären auf!:

Was ist Bio-Seide?

Seide wird als natürliche Endlosfaser aus den Kokons des Seidenspinners gewonnen. Dabei gibt es verschiedene Seidenspinner, die unterschiedliche Seidenarten produzieren. Der vermutlich Bekannteste unter ihnen ist der Maulbeerspinner.

Er ernährt sich von frischen Blättern des Maulbeerbaumes und spinnt einen feinen, gleichmäßigen und nahezu reinweißen Faden. Maulbeerseide gilt deshalb als überaus hochwertige Seide, die besonders gut eingefärbt und zu feinsten Geweben verarbeitet werden kann.

Bevor aus der Seidenspinnerraupe ein Schmetterling wird, verpuppt sie sich in einem Kokon. Dazu produziert sie über eine Drüse an ihrem Kopf einen bis zu drei Kilometer langen Seidenfaden, in den sie sich gewissermaßen einhüllt. Würde die Raupe nach dem Verpuppen als fertig entwickelter Schmetterling ausschlüpfen, würde sie beim Schlüpfen den Kokon beschädigen und damit auch den Seidenfaden durchtrennen.

In der Seidenproduktion werden die Kokons deshalb vor dem Ausschlüpfen der Schmetterlinge in heißem Wasser abgekocht. Die Larven sterben dabei ab. Gleichzeitig löst das kochende Wasser den Leim, der den Seidenfaden als Kokon zusammenhält.

Anschließend werden die Seidenfäden von mehreren Kokons gemeinsam abgewickelt und zusammengefasst. Dadurch verbinden sie sich miteinander und es entsteht ein stabiler Faden, der die Basis für einen Seidenstoff bildet.

Bleibt aber die Frage, wodurch sich denn nun Bio-Seide von herkömmlicher Seide unterscheidet. Der Unterschied fängt schon bei den Maulbeerbäumen an, die mit ihren Blättern das Futter für die Seidenspinner liefern. In der konventionellen Seidenproduktion werden die Bäume größtenteils in Monokulturen angebaut.

Für Bio-Seide hingegen erfolgt der Anbau der Maulbeerbäume überwiegend in Mischkulturen. Außerdem werden die Bäume nicht mit Pestiziden, Herbiziden oder künstlichen Düngern behandelt. Diese Form des Anbaus schont nicht nur die Umwelt, sondern sorgt auch für ein hochwertigeres Futter für die Raupen. Das wiederum macht sich in der Qualität der späteren Seide bemerkbar.

Ein weiterer Aspekt von Bio-Seide ist die Haltung der Tiere. Sie erhalten keine Hormone, Medikamente, wachstumsfördernden Substanzen oder sonstigen Chemikalien. Bis zu ihrer Verpuppung erfolgt die Aufzucht der Raupen somit nach der Richtlinien zur sogenannten kontrolliert biologischen Tierhaltung.

Auch bei der Weiterverarbeitung der Seidenfäden gibt es große Unterschiede zwischen konventioneller Seide und Bio-Seide. Auf dem Weltmarkt ist für den Handel mit Seide das Gewicht maßgeblich. Doch allein durch das Auswaschen des Leims verliert die Rohseide deutlich an Gewicht.

In der konventionellen Produktion kommen oft Metallsalze, Kunstharze oder Chemikalien zum Einsatz, um den Gewichtsverlust wieder auszugleichen.

Minderwertiges Futter und eine auf Ertrag ausgelegte Zucht haben zur Folge, dass auch die Qualität der Kokons schlechter ist. Der Seidenfaden ist weniger elastisch, im Durchmesser ungleichmäßiger und seine Farbe wirkt trüber. Solche Mängel werden in den weiteren Verarbeitungsschritten oft ebenfalls mit Chemikalien behoben.

Außerdem werden die fertigen Seidenstoffe häufig chemisch behandelt, damit sie zum Beispiel schmutzabweisend oder knitterfrei werden. Bei Bio-Seide dürfen zu keinem Zeitpunkt Chemikalien oder Farbstoffe eingesetzt werden, die gesundheits- und umweltschädlich sind.

Welche Zertifikate gibt es bei Bio-Seide?

Seidene Stoffe und Produkte in Bio-Qualität können unterschiedlich zertifiziert sein. Erfolgt die Seidenzucht im Rahmen einer biologischen oder bio-dynamischen Landwirtschaft und sind die entsprechenden Kriterien erfüllt, ist eine Zertifizierung nach der EU 834/2007 bzw. seit Jahresbeginn 2022 durch die Nachfolge-Verordnung 2018/848 möglich.

Die im Volksmund auch als Öko-Verordnung bekannte Regelung bestätigt die kontrolliert biologische Tierhaltung. Diese bezieht sich auf den Futteranbau für die Raupen, die Aufzucht der Tiere und die Arbeitsschritte bei der Gewinnung von Rohseide.

Für die Weiterverarbeitung der Rohseide zu Seidenstoffen können die Vorgaben des GOTS (Global Organic Textile Standard) oder des IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft) Anwendung finden. Beide Siegel berücksichtigen ökologische, nachhaltige und soziale Kriterien.

So legen die Standards zum Beispiel fest, welche Substanzen entlang der gesamten Textilkette verwendet werden dürfen. Ein Produkt muss vom Ursprung bis zum Endprodukt lückenlos rückverfolgbar und dokumentiert sein. Außerdem werden die Siegel nur vergeben, wenn auch die Bedingungen für die Arbeiter fair sind.

Daneben gibt es noch weitere Qualitätssiegel, die für faire Arbeitsbedingungen, nachhaltige Produktion und einen fairen Handel stehen. Dazu gehören zum Beispiel die Zertifikate der WFTO (World Fair Trade Organization) und der FWF (Fair Wear Foundation).

Warum ist Bio-Seide teurer als konventionelle Seide?

Hochwertige Seide aus konventioneller Produktion hat schon ihren Preis. Bio-Seide ist noch einmal teurer.

Für den Preisunterschied gibt es vor allem vier Ursachen:

  1. Der Ertrag ist geringer, weil die Kokons zwar qualitativ hochwertiger, aber meist kleiner sind.

  2. Kleinere Produktionsmengen und umweltschonende Arbeitsprozesse führen zu höheren Produktionskosten.

  3. Faire und soziale Arbeitsbedingungen gehen Hand in Hand mit höheren Lohnkosten.

  4. Für die Zertifizierung und die damit verbundenen Kontrollen fallen jährlich Zusatzkosten an.

Dennoch lohnt es sich, zu Bio-Seide zu greifen. Denn der Käufer kann sich nicht nur sicher sein, dass er ein Textil erwirbt, das unter ökologischen, nachhaltigen und fairen Bedingungen entstanden ist. Vielmehr unterstützt er auf diese Weise oft auch Projekte, die asiatischen Bauernfamilien eine Lebensgrundlage bieten.

Wenn sich die Einkommenssituation für die Landwirte verbessert und junge Leute eine Perspektive für die Zukunft haben, müssen sie nicht mehr aus den ländlichen Regionen in größere Städte umsiedeln.

Eine Mischkultur, wie sie bei Bio-Seide üblich ist, ermöglicht, neben den Maulbeerbäumen weitere Produkte zu kultivieren. Die Landwirte haben so ein zweites Standbein, das sie unabhängiger von der Seidenproduktion macht und zusätzliches Einkommen einbringt. Und unbelastete Erzeugnisse kommen letztlich allen, vom Raupenzüchter bis zum Endverbraucher, zugute.

Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:

Thema: Was ist Bio-Seide?

-

Übersicht:
Fachartikel
Verzeichnis
Über uns


seidenstoffe98

Redakteure
FB/Twitter

Veröffentlicht von

Redakteure

Hier schreiben Michael Husmann, Geschäftsinhaber einer B2B Stoffhandel Firma, die Künstlerin Elke Bornholt, mit einem Faible für Seidenmalerei und Bastelarbeiten, Karina Notzko, - Schneidermeisterin, die Youtuberin Sevilart ( Deko, Bastel und Kreativ-Videos) sowie Christian & Ferya Gülcan (Fashionexpertin), - Künstler (Maltechniken) Inhaber Koozal Galerie & Design (auch Import & Handel Seidenwaren), Betreiber der Webseite und Redakteure. Wir möchten alles Wissenswerte rund um Seide, Seidenmalerei und Mode aus Seidenstoffen vermitteln.

Kommentar verfassen