Qualitätsmerkmale von Seidenkrawatten

Qualitätsmerkmale von Seidenkrawatten

Eine Krawatte kann weniger als zehn Euro kosten – oder aber mehrere hundert Euro. Und für den Laien ist im ersten Moment oft nicht erkennbar, wie ein so großer Preisunterschied zustande kommt. Natürlich leuchtet es ein, dass eine Seidenkrawatte teurer ist als eine Krawatte aus Polyester.

Seidenkrawatten Qualität

Dass für einen Binder beim namhaften Herrenausstatter oder für eine Krawatte mit bekanntem Markennamen mehr Geld auf den Tisch gelegt werden muss als für ein No-Name-Produkt beim Discounter, ist ebenfalls nachvollziehbar.

Doch allein der Preis sagt noch nicht viel darüber aus, wie hochwertig eine Krawatte wirklich ist. Worauf also kommt es an?

Wir haben die wichtigsten Qualitätsmerkmale von Seidenkrawatten zusammengestellt:

 

  1. Die Seide

Seide ist nicht das einzige Material, aus dem Krawatten gefertigt werden. So kommen unter anderem auch Wolle, Baumwolle, Leinen oder eben Kunstfasern wie Polyester zum Einsatz. Und natürlich können Krawatten aus anderen Stoffen toll aussehen und hochwertig sein. Krawatten aus Wolle beispielsweise sorgen oft für eine lässige Note. Wenn es aber um edle und elegante Krawatten geht, führt an Seide letztlich kein Weg vorbei. Der feine, sanft schimmernde, seidenmatte Glanz ist einfach einzigartig und nicht zu kopieren.

Besteht eine Krawatte aus Seide, wird sich irgendwo ein kleines Etikett mit einer Aufschrift wie „100% Seide“ oder „100% Silk“ finden. So kann sich der Käufer sicher sein, dass er tatsächlich einen Schlips aus dem edlen Stoff-Klassiker in den Händen hält. Nun ist Seide aber nicht gleich Seide. Denn auch bei Seide gibt es große Qualitätsunterschiede.

Maulbeerseide gilt als die feinste Seide. Sie wird aus dem endlos langen Faden gewonnen, mit dem sich der Maulbeerspinner als kleine Raupe in seinen Kokon einspinnt. Ebenfalls hochwertig, aber etwas grober ist Wildseide. Hier ist der Tussah-Spinner der Lieferant und die Wildseide wird aus den Kokons gewonnen, nachdem er geschlüpft ist.

Gute Anhaltspunkte für die Qualität der Seide liefern neben der Art vor allem das Gewicht und die Schussdichte. Je höher die Schussdichte ist, desto mehr Seidengarn wurde für den Seidenstoff verwebt. Das Ergebnis ist ein tieferer und weicherer Glanz. Was das Gewicht angeht, so liegt das Seidengewicht einer hochwertigen Krawatte zwischen 20 und 40 Momme. (Momme ist die Gewichtseinheit für Seide.)

 

  1. Der Zuschnitt

Der edelste Stoff bringt nicht viel, wenn er falsch oder ungünstig zugeschnitten wurde. Schon seit den 1920er-Jahren wird die Seide für hochwertige Krawatten deshalb schräg, nämlich genau im 45-Grad-Winkel zur Stoffrichtung zugeschnitten. Dieser Zuschnitt verhindert, dass sich die Krawatte verdreht.

Wie gut und sauber die Seide zugeschnitten wurde, kann der Käufer ganz einfach testen. Dazu greift er die Krawatte am schmalen Ende und lässt sie bei ausgestrecktem Arm nach unten hängen. Verdreht sich die Krawatte daraufhin, lässt das auf einen unsauberen Zuschnitt schließen. Hängt die Krawatte hingegen gerade herunter, ist alles in Ordnung.

 

  1. Die Verarbeitung

Eine qualitativ hochwertige Seidenkrawatte besteht meist aus drei Teilen, die durchaus mit der Maschine genäht sein dürfen. Eine große Ausnahme bildet aber die Mittelnaht, also die Naht, die die Krawatte an der Innenseite zusammenhält.

Sie sollte handgenäht sein und eine doppelte Fadenreserve haben. Dadurch bleibt der Stoff flexibel und die Naht spannt auch dann nicht, wenn die Krawatte häufig gebunden und wieder entknotet wird.

Die Kanten der Seidenkrawatte wiederum sollten leicht abgerundet sein. Sehr scharfe Kanten sind ein Indiz dafür, dass die Seidenkrawatte maschinell gebügelt wurde. Einer hochwertigen Seidenkrawatte würde das aber vermutlich niemand antun.

 

  1. Das Futter

Ein weiteres Qualitätsmerkmal bei Seidenkrawatten ist die Einlage, das sogenannte Interlining. Eine Seidenkrawatte sollte grundsätzlich gefüttert sein. Denn ohne oder mit nur sehr dünnem Futter würde die Krawatte sehr schnell Tragefalten bekommen.

Zudem sorgt das Futter dafür, dass der Krawattenknoten besser hält. Dabei kann als Futterstoff ein einfacherer, einfarbiger Seidenstoff verwendet werden. Noch besser ist, wenn die Einlage aus Wolle besteht. Denn eine Einlage aus Wolle weist die beste Sprungelastizität auf. Dadurch kehrt die Seidenkrawatte nach dem Tragen schnell wieder in ihre ursprüngliche Form zurück. Kostengünstiger Polyesterstoff hat bei einer edlen Seidenkrawatte nichts zu suchen, auch nicht als unsichtbares Innenleben.

Geht es um luxuriöse Krawatten, wird dem Käufer der Begriff Self-Tipping begegnen. Self-Tipping bedeutet, dass die Einlage der Seidenkrawatte mit dem gleichen Seidenstoff abgedeckt ist, aus dem auch die Krawatte besteht. Dadurch sieht die Krawatte auf der Rückseite genauso hübsch aus wie auf der Vorderseite.

Ein anderer Ausdruck im Zusammenhang mit Seidenkrawatten aus dem Luxussegment ist Seven-Fold. Eine Seven-Fold-Krawatte besteht nicht, wie sonst üblich, aus dem Seidenstoff, der Einlage und dem Tipping. Stattdessen ist die Krawatte aus einem quadratischen Seidentuch gefertigt, das siebenfach gefaltet ist. Die Falttechnik verleiht der Krawatte Volumen und Festigkeit, so dass keine weiteren Stoffe mehr notwendig sind. Klar, dass solche Seidenkrawatten entsprechend hochpreisig sind.

 

  1. Die Griffigkeit

Tatsächlich fährt der Käufer am besten, wenn er buchstäblich etwas Fingerspitzengefühl an den Tag legt. Wie fühlt sich die Seidenkrawatte an? Liegt sie angenehm in der Hand? Ist sie weich und geschmeidig, aber trotzdem griffig? Sieht die Krawatte rundherum ordentlich verarbeitet aus? Wenn der Käufer ein gutes Gefühl hat und natürlich auch vom Design überzeugt ist, wird es schon passen.

 

Und was ist mit dem Preis?

Der Preis ist kein Qualitätsmerkmal einer Seidenkrawatte. Natürlich wird der Käufer keine Luxus-Seidenkrawatte in bester Qualität für 10 Euro bekommen. Aber bloß weil eine Seidenkrawatte 100 Euro oder mehr kostet, muss sie nicht zwangsläufig gut verarbeitet sein.

Manchmal macht allein der Name des Designers oder der Marke einen großen Teil des Preises aus. Doch hier muss die Qualität nicht besser sein als bei einer Seidenkrawatte aus unbekanntem Hause. Natürlich hat Qualität ihren Preis und eine hochwertige Seide, die gut verarbeitet ist, gibt es nur selten zum Schnäppchentarif. Doch der Käufer sollte eben nicht nur aufs Preisschild achten, sondern sich lieber die Krawatte richtig anschauen.

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