Ausführliche Strickanleitung für eine Seidenkrawatte, Teil 1

Ausführliche Strickanleitung für eine Seidenkrawatte, Teil 1

Ob im Berufsalltag, bei einer Familienfeier oder abends beim Ausgehen: Für viele Männer rundet eine Krawatte das Outfit erst richtig ab. Aber muss gar nicht immer eine klassische Krawatte sein. Wer es origineller mag und ein modisches Statement setzen will, greift zu einer Strickkrawatte. Gestrickte Krawatten sind seit einiger Zeit schwer angesagt. Kein Wunder, verbindet eine Strickkrawatte doch einen eleganten Stil mit einer jungen, lässigen Note.

Ausführliche Strickanleitung für eine Seidenkrawatte, Teil 1

Wer einen gestrickten Schlips kaufen möchte, muss allerdings mitunter tief in die Tasche greifen. Das gilt vor allem dann, wenn die Strickkrawatte aus einem edlen Garn angefertigt ist oder von einer namhaften Marke stammt.

Andererseits ist es nicht schwer, selbst eine Krawatte zu stricken. Dabei können dann nicht nur die Form, die Farbe und das Muster selbst festgelegt werden. Stattdessen entsteht ein echtes Unikat, das sich zudem prima als Geschenk eignet.

In einer ausführlichen Strickanleitung erklären wir, wie eine Krawatte angefertigt werden kann. Damit die edle Note erhalten bleibt, arbeiten wir eine Seidenkrawatte. Doch bevor wir mit dem Stricken beginnen, ist erst einmal ein bisschen Mathematik angesagt.

Die Materialien für eine gestrickte Seidenkrawatte

  • ungefähr 100 Gramm Seidengarn

  • Nadelspiel in Größe 2,5 oder 3

  • Maßband

  • Schere

  • Nähnadel mit stumpfer Spitze

Strickgarn besteht nicht aus reiner Seide, sondern ist meist eine Mischung aus Seide und zum Beispiel Baumwolle. Dadurch vereint das Garn die Vorteile der beiden Fasern miteinander. Die Seide sorgt für die edle Optik und das angenehme Griffgefühl, während die Baumwolle das Garn robuster macht.

Je nach Qualität ist ein Strickgarn mit Seide nicht ganz billig. Doch weil für eine Krawatte nur wenig Garn notwendig ist, bleiben die Kosten überschaubar. Ob es ein einfarbiges oder ein in sich gemustertes Garn wird, bleibt natürlich dem eigenen Geschmack überlassen.

Wichtig wäre nur, dass das Garn eher dünn ist. Andernfalls könnte die gestrickte Seidenkrawatte zu sehr an einen Schal erinnern. Außerdem lässt sich eine dicke Krawatte schlechter binden.

Die Anzahl der Maschen und Runden für die gestrickte Seidenkrawatte ausrechnen

Das verwendete Seidengarn entscheidet darüber, wie viele Maschen, Runden und Zunahmen für die Krawatte gearbeitet werden müssen. Und damit unsere Strickanleitung mit jedem Strickgarn und in der individuell gewünschten Größe umgesetzt werden kann, erklären wir zuerst, wie die einzelnen Werte ermittelt werden.

Der erste Schritt besteht darin, eine Maschenprobe zu stricken. Dafür werden einige Maschen angeschlagen und über mehrere Reihen gestrickt. Dabei sollte die Maschenprobe in dem Muster gearbeitet werden, das auch für die Krawatte verwendet werden soll. Anhand der Maschenprobe kann nun abgezählt werden, wie viele Maschen und Reihen für eine Breite und eine Höhe von 10 cm notwendig sind.

Eine Krawatte ist nicht gerade. Stattdessen ist sie in der oberen Hälfte schmal, wird dann zunehmend breiter und endet schließlich mit einer Spitze. Der schmale Teil, der um den Hals gebunden ist und unter dem Hemdkragen verläuft, ist ungefähr 80 cm lang. Daran schließt sich ein etwa 60 cm langer Abschnitt an, in dem die Strickkrawatte breiter wird. Zusammen mit der Spitze ergibt sich daraus die klassische Krawattenlänge.

Um die Seidenkrawatte stricken zu können, braucht es drei Werte. Nämlich die Breite der Krawatte, die Anzahl der Runden im breiteren Abschnitt und die Maschenzahl, die in diesem Abschnitt zugenommen werden muss.

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Noch ein kleiner Tipp:

Wer sich mit der Form nicht ganz sicher ist, kann eine vorhandene Krawatte nehmen und ausmessen. Diese Werte kann er dann für die eigene Strickkrawatte übernehmen oder wie gewünscht abändern.

Die Breite der gestrickten Seidenkrawatte

Zunächst wird festgelegt, wie breit die Strickkrawatte in der oberen, schmalen Hälfte und an der breitesten Stelle unten sein soll. Mit dem Wert für den schmalen Abschnitt wird die Maschenzahl ausgerechnet, die für die Krawatte angeschlagen wird.

Allerdings stricken wir die Krawatte später in Runden, denn sie fällt schöner, wenn sie doppelt liegt. Deshalb muss die ausgerechnete Maschenzahl verdoppelt werden.

Ein Beispiel:

Angenommen, die Maschenprobe hat ergeben, dass 32 Maschen 10 cm entsprechen. Die Krawatte soll in der oberen Hälfte 4 cm breit werden. Um auf die gewünschte Krawattenbreite zu kommen, müssten also 32 x 0,4 = 12,8 Maschen angeschlagen werden. Aufgerundet sind das 13 Maschen pro Lage. Weil die Strickkrawatte zwei Seiten bekommt, wird der Wert auf 26 Maschen verdoppelt.

Die Anzahl der Runden im breiteren Abschnitt

In der unteren Hälfte wird die gestrickte Seidenkrawatte über eine Länge von etwa 60 cm zunehmend breiter. Um auszurechnen, wie viele Runden dieser Abschnitt umfasst, kann der Wert aus der Maschenprobe mit 6 multipliziert werden.

Beispiel: Laut Maschenprobe werden für 10 cm 40 Runden benötigt. Folglich besteht die untere Hälfte der Krawatte aus 40 x 6 = 240 Runden.

Die Anzahl der Maschenzunahmen

Jetzt fehlt noch die Anzahl der Maschen, die verteilt über die 60 cm zugenommen werden müssen, bis die breiteste Stelle erreicht ist.

Auch dazu ein Beispiel: Die Strickkrawatte soll an der breitesten Stelle 8 cm breit sein. Da sie oben 4 cm breit ist, wird sie also um 4 cm breiter. Durch das Stricken in Runden vergrößert sich der Umfang aber auf beiden Seiten. Deshalb verdoppelt sich die Zunahme auf zusammen 8 cm.

Nachdem die Maschenprobe ergeben hat, dass für 10 cm 32 Maschen notwendig sind, kann nun die Anzahl der Zunahmen ausgerechnet werden. In unserem Beispiel wären das 32 x 0,8 = 25,6 Maschen, die auf 26 Maschen aufgerundet werden.

Beim Stricken der Seidenkrawatte werden in jeder Zunahmerunde zwei Maschen aufgenommen. Daher wird die ermittelte Maschenzahl jetzt halbiert. In unserem Fall würden wir also 26 : 2 = 13 Zunahmerunden arbeiten.

Zuletzt muss noch ausgerechnet werden, wie groß der Abstand zwischen den Zunahmerunden ist. Dafür wird die Anzahl der Runden für den 60 cm langen Abschnitt durch die Anzahl der Zunahmerunden dividiert.

In unserem Beispiel lautet die Rechnung somit 240 Runden : 13 Zunahmen = 18,46. Zwischen den einzelnen Zunahmen liegen folglich je 18 Runden und wir würden in jeder 19. Runde zwei Maschen aufnehmen.

Damit ist die Mathestunde beendet und alle notwendigen Werte sind vorhanden. Im 2. Teil zeigen wir, wie aus einem Knäuel Seidengarn eine chice Seidenkrawatte wird!

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Hier schreiben Michael Husmann, 47 Jahre, Geschäftsinhaber einer B2B Stoffhandel Firma, die Künstlerin Elke Bornholt, 39 Jahre, mit einem Faible für Seidenmalerei und Bastelarbeiten, Karina Notzko, 32 Jahre und Schneidermeisterin, sowie Christian Gülcan, Betreiber der Webseite und Redakteur. Wir möchten alles Wissenswerte rund um Seide bzw. Seidenstoffe vermitteln.

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