Einen Seidenponcho selber machen – so geht’s

Einen Seidenponcho selber machen – so geht’s

Wenn von einem Poncho die Rede ist, denken die meisten im ersten Moment vermutlich an einen dicken, warmen Überwurf aus Wolle oder Fleece. Seide hingegen wird eher mit einem leichten Schultertuch oder einer eleganten Stola in Verbindung gebracht. Doch der Nachteil von Tüchern und Stolas ist, dass sie durch die weich fließende, glatte Seide gerne abrutschen.

Poncho aus Seide

Werden sie hingegen mit einem Knoten gesichert, ist die Bewegungsfreiheit der Arme mitunter etwas eingeschränkt. Insofern macht es durchaus Sinn, einen Poncho aus Seide anzufertigen.

Schließlich kann ein Überwurf auch aus einem leichten Material bestehen. Weil der Poncho über den Kopf gezogen wird, kann er nicht verrutschen und die Hände sind trotzdem frei.

Und wie im Handumdrehen und ganz ohne Nähen ein chicer Seidenponcho entsteht, erklären wir in dieser Anleitung!:

 

Die Materialliste für den Seidenponcho

  • 1 großes Seidentuch (z.B. 90 x 90 cm)
  • Kaltwachs und Seidenmalfarben oder Seiden-Batikfarben und Schnur
  • Gutta
  • Lineal
  • Skalpell oder Rollschneider

 

Einen Seidenponcho selber machen – so geht’s

Wer es ganz schlicht mag, kann seinen Seidenponcho natürlich aus einem weißen Seidentuch anfertigen. Genauso ist möglich, ein schon vorhandenes, bemaltes oder gemustertes Seidentuch zum Poncho zu verarbeiten. Wer sich kreativ austoben will, besorgt sich ein Seidentuch und gestaltet es selbst. Wie das geht und wie aus dem Tuch ein Poncho wird, erklären wir jetzt!

 

  1. Schritt: das Seidentuch gestalten

Um dem Seidentuch die gewünschte Optik zu verleihen, gibt es zwei Möglichkeiten. Die Seide kann nämlich entweder bemalt oder eingefärbt werden.

 

Die Seide bemalen

Soll die Seide mit einer Malerei verziert werden, werden zunächst die Konturen des Musters oder Motivs mit Kaltwachs vorgemalt. Kaltwachs verhindert, dass die Farben ineinander laufen. Aber weil das Wachs später herausgebügelt wird, bleiben keine sichtbaren Umrisslinien zurück.

Wer nicht frei Hand malen möchte, kann sich eine Vorlage auf Papier erstellen und unter das Seidentuch legen. Dann können die Umrisslinien einfach nachgefahren werden.

Nachdem das Kaltwachs trocken ist, werden die Flächen wie gewünscht mit Seidenmalfarbe ausgemalt. Auch die Bemalung muss wieder trocknen. Anschließend wird das Seidentuch mit einem Baumwolltuch oder Backpapier abgedeckt und gebügelt. Durch das Bügeln wird das Kaltwachs aus der Seide herausgelöst. Nebenbei werden außerdem auch gleich die Seidenmalfarben fixiert.

 

Die Seide einfärben

Statt zu malen, kann das Seidentuch auch eingefärbt werden. Dafür wird die Seidenfarbe in etwa 60 Grad warmem Wasser aufgelöst. Damit die Farbe gut in den Seidenfasern hält, ist es ratsam, dem Färbebad außerdem noch 50 ml Essig oder 10 ml Essigessenz pro Liter Wasser hinzuzufügen.

Nun kann das ganze Seidentuch in das Färbebad gelegt werden. Dadurch wird die Seide gleichmäßig in einer Farbe eingefärbt. Soll die Seide ein Muster bekommen, kann sie zusammengenommen und mit Schnur abgebunden werden. So entsteht die typische Batikoptik.

Die Seide bleibt dann etwa eine Stunde lang in dem Färbebad. Währenddessen sollte sie immer mal wieder bewegt werden, damit die Farbe überall gut hinkommt. Nach dem Färben wird die Seide herausgenommen und gründlich unter warmem Wasser ausgespült.

Soll das Tuch noch eine zweite Farbe bekommen, muss die Seide erst einmal trocknen. Nach dem Trocknen wird der Stoff wieder mit Schnur umwickelt, entweder ganz oder indem einzelne Zipfel gebildet werden. Dann wird das zweite Färbebad angemischt und die Seide wieder eine Stunde lang gefärbt. Anschließend wird die Farbe sorgfältig ausgewaschen und das Tuch zum Trocknen aufgehängt oder ausgebreitet.

Übrigens:

Bleibt die Seide eine ganze Stunde lang im Färbebad, erreicht sie den intensivsten Farbton. Soll die Farbe dezenter ausfallen, kann der Stoff natürlich auch schon vorher herausgenommen werden. Zu beachten ist aber, dass der nasse Stoff dunkler ist als im trocknen Zustand.

 

  1. Schritt: den Poncho anfertigen

Nun muss aus dem Seidentuch nur noch ein Poncho werden. Dafür wird das Seidentuch flach ausgebreitet, und zwar so, dass es auf einer Ecke steht. Anschließend wird der Mittelpunkt des Seidentuchs ausgemessen. Von diesem Punkt aus wird nun jeweils 20 cm nach rechts und nach links gemessen.

Diese insgesamt 40 cm lange Linie ergibt den Ausschnitt. Je nach Kopfumfang und gewünschtem Ausschnitt kann die Linie aber natürlich auch etwas kürzer oder länger angelegt werden.

Jedenfalls wird die Ausschnittlinie jetzt mit Gutta nachgefahren. Dabei sollte der Strich lieber etwas breiter werden. Denn das Konturenmittel versiegelt die spätere Kante. Gutta ist farblos und in verschiedenen Farbtönen erhältlich. So kann das Konturenmittel ausgesucht werden, das am besten zum Seidentuch passt.

Nachdem die Gutta-Linie vollständig durchgetrocknet ist, wird sie möglichst mittig aufgeschnitten. Das klappt am besten, wenn ein Lineal angelegt und dann mit einem Skalpell oder einem Rollschneider am Lineal entlang gefahren wird. Da das Konturenmittel verhindert, dass die Seide ausfranst, muss nichts genäht werden. Vielmehr ist der Seidenponcho damit fertig – und bereit zum Anziehen!

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Redakteure

Hier schreiben Michael Husmann, 47 Jahre, Geschäftsinhaber einer B2B Stoffhandel Firma, die Künstlerin Elke Bornholt, 39 Jahre, mit einem Faible für Seidenmalerei und Bastelarbeiten, Karina Notzko, 32 Jahre und Schneidermeisterin. Wir möchten alles Wissenswerte rund um Seide bzw. Seidenstoffe vermitteln.