Die Seidenstraße im ausführlichen Portrait, 1. Teil

Die Seidenstraße im ausführlichen Portrait, 1. Teil

Den Begriff Seidenstraße hat vermutlich jeder schon einmal gehört. Die legendäre Route war schließlich einst ein wichtiger Handelsweg zwischen Asien und Europa. Allerdings ist der Name Seidenstraße ein wenig irreführend. Denn die Seidenstraße war nicht nur eine Straße.

Seidenstraße

Vielmehr handelte es sich um ein Netz aus verschiedenen Straßen und Wegen. Und die rund 6.400 Kilometer lange Route wurde nicht nur für den Seidenhandel genutzt. Stattdessen wurden allerlei Dinge gehandelt.

Jedenfalls gewinnt die Seidenstraße in jüngerer Vergangenheit wieder an Bedeutung. Denn die Volksrepublik China möchte unter Staatspräsident Xi Jinping mit dem Projekt “Neue Seidenstraße” an alte Zeiten anknüpfen. Land- und Seewege, Industriekorridore und Kommunikationsnetze sollen einen Wirtschaftsraum entstehen lassen, der Asien, Europa und auch Afrika miteinander verbindet und einen regen Austausch ermöglicht.

Nur: Wie war das eigentlich mit der Seidenstraße? Wie verlief die Route? Welche Bedeutung hatte sie? Was wurde gehandelt? Wie ist die Route überhaupt entstanden? Und was ist heute von der altehrwürdigen Straße noch übrig? Alle diese Fragen klären wir in einem ausführlichen Portrait zur Seidenstraße.

Dabei schauen wir uns im 1. Teil der Beitragsreihe die Bedeutung der Seidenstraße an:

 

Die Handelsgüter entlang der Seidenstraße

Für den Westen zählt die Seide zu den wichtigsten Waren, die über die Seidenstraße transportiert und gehandelt wurden. Nicht umsonst gab der edle und kostbare Stoff der Route ihren Namen. Doch Seide war längst nicht das einzige Handelsgut. In westliche Richtung wurden genauso unter anderem Keramik, Porzellan, Jade, Bronze, Eisen, Pelze und Gewürze transportiert.

Vom Westen in Richtung China wiederum gehörten Gold, Edelsteine und ganz besonders Glas zu den wichtigsten Waren. Forscher weisen deshalb daraufhin, dass die Seidenstraße aus östlicher Richtung auch Glasstraße heißen könnte. Auf dem Transportweg wurden die Waren immer wieder eingetauscht. Die Besitzerwechsel führten dazu, dass der Wert der Waren zunehmend stieg.

Bis in die Neuzeit hinein hatten Gewürze aus Südostasien eine große Bedeutung. Sie wurden nicht nur verwendet, um Speisen Aroma zu verleihen und zu verfeinern. Vielmehr kamen Gewürze auch als Medikamente, Aphrodisiaka, Parfüme und für Zaubertränke zum Einsatz. Das begehrteste Produkt aus China blieb aber die Seide.

Wie Purpur und Glas war sie ein echter Luxusartikel, den sich nur die Reichsten und selbst sie nur in kleinen Mengen leisten konnten. Selbst als es in der Spätantike gelang, mithilfe geschmuggelter Raupen eine eigene Seidenproduktion im oströmischen Reich aufzubauen, verlor der Import von Seide aus China nicht an Bedeutung.

 

Die Handelsorganisation auf der Seidenstraße

Der große Strom an kostbaren Waren rief natürlich auch Räuber und Banditen auf den Plan. Deshalb entschied das Han-Reich, die Chinesische Mauer nach Westen zu erweitern und seinen Karawanen einen besonderen Geleitschutz an die Seite zu stellen.

Insgesamt war es eine schwierige und komplexe Angelegenheit, den transkontinentalen Handel zu organisieren. Immerhin galt es, unzählige Tiere zusammen mit ihren Viehtreibern und tonnenweise Handelsware über die Strecke zu bringen. Und auf der langen Reise musste die Versorgung für Mensch und Tier sichergestellt sein, was angesichts der geographischen und klimatischen Bedingungen mitunter sehr schwierig war.

Um ihre Waren zu verkaufen, bereisten die Kaufleute aber eher selten die ganze Route. Stattdessen war in Seidenstraße in verschiedene Streckenabschnitte aufgeteilt und auf ihrem Weg zum endgültigen Ziel passierte die Ware mehrere Zwischenhändler.

Das westliche Ende der Seidenstraße stand lange Zeit unter der Kontrolle der Parther, später übernahmen das die Sassaniden. In Zentralasien wiederum waren es vor allem Reiterstämme, die den Handel im Griff hatten. Eine große Rolle kam auch den Sogdien zu.

Sogdische Händler hatten Kontakte bis nach China und ihre Briefe sind bis heute eine wichtige Quelle für Erkenntnisse zur Geschichte der Seidenstraße. Im Mittelalter entdeckten auch die Radhaniten die Seidenstraße als Handelsroute für sich. Um den Durchgangsverkehr zu sichern, wurden als Ergänzung zu den Oasen militärische Stationen und Punkte, an denen die Pferde gewechselt werden konnten, eingerichtet.

Zu den wichtigsten Transportmitteln auf der Seidenstraße gehörte das Trampeltier. In Zentralasien beheimatet, kam es mit der Hitze besser zurecht als Dromedare. Sein Winterfell wiederum sorgte dafür, dass ihm die teils enormen Temperaturunterschiede zwischen Steppen- und Bergregionen nicht so sehr zusetzten.

 

Der Austausch von Kulturen und Techniken auf der Seidenstraße

Während der Warenhandel ganz bewusst betrieben wurde, erfolgte der Austausch von kulturellen Gütern, technischen Errungenschaften und anderem Wissen eher als Nebeneffekt. Durch die Reisen in ferne Länder lernten die verschiedenen Gesellschaften von- und übereinander.

Die Reisenden erlebten andere Lebensweisen und brachten Geschichten, Lieder, religiöse Ansichten, philosophische Ideen und unbekannte Denkansätze mit nach Hause. So wurde die Seidenstraße über mehrere Jahrhunderte eine der wichtigsten und umfangreichsten Quellen für den Austausch zwischen Orient und Okzident.

Neben Handelsgütern und Nahrungsmitteln wurden auch Techniken ausgetauscht. Die Papierherstellung und der Buchdruck, chemische Prozesse wie die Produktion von Schwarzpulver und die Destillation oder auch Reittechniken mit Geschirren und Steigbügeln sind ein paar Beispiele für Verfahren, die über die Seidenstraße in den Westen gelangten.

Gleiches gilt für Religionen. So kam beispielsweise der Buddhismus über die Seidenstraße von Indien nach China und Japan. Auch das Christentum und der Islam verbreiteten sich in den Regionen, die die Seidenstraße passierte. Zwar gab es mit Blick auf die Religionen verschiedene Wellen und immer wieder Herrscher, die der Ausbreitung fremder Glaubensrichtungen teils gewaltsam entgegentraten. Trotzdem konnten sich die Religionen etablieren und bestanden an vielen Orten sogar friedlich nebeneinander.

 

Die Ausbreitung von Krankheiten

Entlang der Seidenstraße verbreiteten sich mehrfach Krankheiten. Durch die Reisenden gelangten die Erreger in Gebiete, wo die Menschen den Krankheitserregern wenig entgegensetzen konnten, weil sie dort bis dahin unbekannt waren. So kam es zu Epidemien mit teils verheerenden Folgen.

Das in Europa vermutlich traurigste Beispiel ist die Ausbreitung der Pest im 14. Jahrhundert. Pestbakterien kommen in wildlebenden Nagetieren in Asien vor. Der rege Handel mit Pelzen führte wahrscheinlich dazu, dass sich die Bakterien in Europa rasch verbreiten konnten. Jedenfalls fielen unzählige Menschen dem Schwarzen Tod zum Opfer.

Im nächsten Teil schauen wir uns die Seidenstraße aus geographischer Sicht an.

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Redakteure

Hier schreiben Michael Husmann, 47 Jahre, Geschäftsinhaber einer B2B Stoffhandel Firma, die Künstlerin Elke Bornholt, 39 Jahre, mit einem Faible für Seidenmalerei und Bastelarbeiten, Karina Notzko, 32 Jahre und Schneidermeisterin. Wir möchten alles Wissenswerte rund um Seide bzw. Seidenstoffe vermitteln.