Kompakte Übersicht zu Seidenstoffen und Webarten, Teil 2

Kompakte Übersicht zu Seidenstoffen und Webarten, Teil 2

Herrlich zart, weich fließend, edel schimmernd, reißfest, Temperatur ausgleichend: Das sind ein paar Eigenschaften, die Seide auszeichnen. Kein Wunder also, dass die Naturfaser sehr beliebt ist. Nun gibt es aber gar nicht die eine, einzige Seide. Stattdessen werden verschiedenste Qualitäten voneinander unterschieden. Doch bei den vielen Begriffen geraten gerne mal Seidenstoffe und Webarten durcheinander. Deshalb erklären wir in einer kompakten Übersicht, was sich hinter den gängigen Bezeichnungen verbirgt.

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Kompakte Übersicht zu Seidenstoffen und Webarten, Teil 2

Hier ist Teil 2!:

Habotai

Die Wurzeln der Habotai-Seide liegen in China. Etwa 1.000 v. Chr. gelangte der Seidenstoff dann von China nach Japan, wo er große Beliebtheit erfuhr. Habotai hat eine besonders glatte, glänzende und reinweiße Oberfläche. Deshalb wurde der Seidenstoff in Japan vor allem für hochwertige Seidenmalereien, aber auch für edle Kimonos verwendet.

Heute wird die Habotai-Seide wieder hauptsächlich in China hergestellt.

Haspelseide

Bei der Herstellung von Seide werden die Kokons der Seidenspinnerraupe in einem heißen Laugenbad gereinigt und anschließend abgewickelt. Dabei ist das Ziel, den Seidenfaden möglichst in einem Stück abzuwickeln. Dieser Vorgang wird als Abhaspeln bezeichnet.

Nach einer weiteren Reinigung werden die hauchzarten Seidenfäden miteinander verzwirnt. Auf diese Weise entstehen die feinen, weichen und endlos langen Seidenfäden, die zu Seidenstoffen verwoben werden.

Haspelseide zählt zu den hochwertigsten Naturseiden. Sie sind weich, zart, sehr gleichmäßig und lassen sich durch die fast reinweiße Farbe sehr gut einfärben. Die hohe Qualität kommt dadurch zustande, dass für Haspelseide nur der Mittelteil eines Kokons verwendet wird.

Honan-Seide

Die Honan-Seide verdankt ihren Namen ihrer Herkunft. Denn diese Seidenart stammt aus der Provinz Honan im Osten Chinas. Dabei handelt es sich bei der Honan-Seide um eine Wildseide.

Wildseiden entstehen, nachdem der Seidenspinner als Schmetterling aus seinem Kokon geschlüpft ist. Weil das Tierchen dabei eine Öffnung in den Kokon beißt, sind die Seidenfäden durchtrennt. Aus diesem Grund können sie nicht in einem langen Faden abgewickelt werden.

Stattdessen werden erst die kurzen Seidenfäden zu langen Stücken miteinander verwoben. Dabei bilden sich kleine Unregelmäßigkeiten im Faden, die für die charakteristischen Noppen im späteren Seidengewebe verantwortlich sind.

Honan-Seide wird in aller Regel in einer klassischen Taftbindung hergestellt. Auch als Leinwandbindung bezeichnet, wird dazu ein Kettfaden unter jedem Schussfaden hindurchgeführt. Das Ergebnis ist ein dichtes Gewebe, bei dem die Vorder- und die Rückseite gleich aussehen.

Obwohl Honan-Seide eine recht raue Oberflächenstruktur hat, die manchmal fast an eine Rinde erinnert, ist das Gewebe sehr weich. Deshalb wird diese Seidenart gerne für Anzüge, leichte Mäntel, Blusen und Abendkleider verwendet. Dabei eignet sich Honan-Seide sehr gut für edle Polsterbezüge.

Muschelseide

Auch wenn Muschelseide eine echte Seide ist und aus Eiweißen besteht, stammt sie nicht von Seidenspinnern. Stattdessen sind Steckmuscheln der Art Pinna nobilis die Lieferanten. Diese Muscheln haben an ihrem Fuß Drüsen, durch die sie ein Sekret absondern. Im Wasser härtet das Sekret aus und sorgt dafür, dass sich die Muscheln am Meeresgrund oder an treibendem Seetang festhalten können.

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Schon in der Antike war Muschelseide bekannt und wurde hauptsächlich im Mittelmeer gewonnen. Allerdings war die Herstellung von Muschelseide sehr schwierig und aufwändig. Deshalb war der Stoff extrem teuer und nur für edelste Stoffe und Gewänder vorgesehen.

Raubbau führte dazu, dass die Steckmuschelart schon fast ausgestorben war. Langsam erholt sie sich zwar wieder. Trotzdem stehen Steckmuscheln nach wie vor unter Naturschutz.

Organza

Ähnlich wie Crêpe Georgette und Chiffon ist auch Organza ein leichtes und transparentes Gewebe. Es wird in einer Leinwandbindung hergestellt, bei der der Kettfaden immer abwechselnd einmal über und einmal unter dem Schussfaden verläuft.

Organza hat einen vergleichsweise festen Stand. Aus diesem Grund wird der Seidenstoff gerne für Braut- und Abendkleider mit voluminösen Röcken, Schleier, Unterröcke für Petticoats und auch Schals verwendet. Die Webart bringt es aber mit sich, dass Organza recht schnell einreißt und außerdem dazu neigt, Falten zu bilden.

Ponge

Seidenstoffe namens Ponge sind in einer robusten Taftbindung gefertigt. Beide Seiten haben glatte und glänzende Oberflächen. Dadurch kann Ponge-Seide viel Farbe aufnehmen und gut eingefärbt werden.

Insgesamt ist Ponge-Seide ein Stoff, der sehr vielseitig eingesetzt wird. So werden daraus zum Beispiel Kleidungsstücke, Schals und Tücher oder Heimtextilien gefertigt. Außerdem ist Ponge die Seidenart, die hierzulande am häufigsten für Seidenmalereien zum Einsatz kommt.

Schappeseide

Schappeseide wird auch Florettseide oder einfach nur kurz Schappe genannt. Für den Stoff werden die Reste von bereits abgewickelten Kokons verarbeitet. Weil die Reste aber nicht mehr weiter abgewickelt werden können, wird ein Kammgarnverfahren eingesetzt.

Dazu werden die Kokonreste gereinigt und von Rückständen befreit. Danach werden die Fasern ausgekämmt. Im nächsten Schritt werden die 50 bis 250 Millimeter langen Faserstränge parallel nebeneinander zu sogenannten Kammzügen zusammengelegt.

Diese Kammzüge können dann zu einer Art Watte verwoben werden. Die Watte wiederum wird in der Spinnerei mehrfach gestreckt und gedehnt. Auf diese Weise entsteht zunächst ein Vorgarn und schließlich das eigentliche Seidengarn.

Schappeseide ist weich und hat einen leichten Glanz. Sie wird für Kleidung und Accessoires, aber auch als Füllung für Kissen und Bettdecken verwendet.

Seidensatin

Seidensatin entsteht in Atlasbindung. Satin als solches bezeichnet keine Seidenart, sondern ein Gewebe. Weil dabei möglichst lange Fasern verarbeitet werden, besteht Satin aber meist aus Seide oder Kunstseide.

Das Besondere an Satin ist, dass die Oberseite sehr glatt ist und stark glänzt, während die Unterseite matt ist und einen samtartigen Griff hat. Der Stoff ist dicht und robust, hat einen schweren und zugleich weich fließenden Fall und lässt sich hervorragend in Falten legen.

Seidensatin wird deshalb gerne für edle Kleidungsstücke, Abendmode und Accessoires verwendet. Daneben ist Seidensatin ein beliebter Stoff für Nachtwäsche, Dessous und Bettwäsche.

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Hier schreiben Michael Husmann, 47 Jahre, Geschäftsinhaber einer B2B Stoffhandel Firma, die Künstlerin Elke Bornholt, 39 Jahre, mit einem Faible für Seidenmalerei und Bastelarbeiten, Karina Notzko, 32 Jahre und Schneidermeisterin, sowie Christian Gülcan, Betreiber der Webseite und Redakteur. Wir möchten alles Wissenswerte rund um Seide bzw. Seidenstoffe vermitteln.

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