11 Basis-Tipps beim Verarbeiten von Seidenstoffen

11 Basis-Tipps beim Verarbeiten von Seidenstoffen

Seide ist ein sehr edler und sinnlicher Stoff, der weich fließt und sich in einem sanften Fall an den Körper schmiegt. Doch genau diese wunderbaren Eigenschaften führen auch dazu, dass das Nähen von Seide nicht ganz einfach ist. Damit die nächsten Näh-Projekte gelingen, haben wir elf Basis-Tipps zum Verarbeiten von Seidenstoffen zusammengestellt.

11 Basis-Tipps beim Verarbeiten von Seidenstoffen

  1. Saubere Bedingungen schaffen

Bevor es losgeht, ist ein gründliches Waschen der Hände ratsam. Auch die Arbeitsfläche, die Werkzeuge und die Nähmaschine sollten sauber sein. Denn Seide ist recht anfällig für Schmutz. Doch Flecken lassen sich mitunter nur schwer auswaschen und selbst kleine Wasserspritzer können unschöne Ränder hinterlassen, die auch bei einer Wäsche nicht immer rausgehen.

  1. Den Seidenstoff vorwaschen

Bei der ersten Wäsche kann ein Seidenstoff um bis zu zehn Prozent eingehen. Damit die ganze Arbeit am Ende nicht umsonst war, weil das fertige Stück zu klein ist, sollte der Stoff immer vorgewaschen werden.

Am besten ist, den Seidenstoff von Hand in lauwarmem Wasser und mit wenig Seiden-Waschmittel auszuwaschen und anschließend gut mit kaltem Wasser auszuspülen.

Danach sollte der Stoff noch einmal in kaltes Wasser getaucht werden, dem etwas Essigessenz hinzugefügt wurde. Der Essig bindet die Farben. Nach dem Ausspülen die Seide abtropfen und langsam an der Luft trocknen lassen.

Seidenstoffe in kräftigen oder dunklen Farben sollten immer separat vorgewaschen werden. Denn sie können ziemlich abfärben.

  1. Den Mittelbruch und andere Lagerungsfalten ausbügeln

Seidenstoffe als Meterware haben oft einen Mittelbruch. Falten können sich aber auch dann bilden, wenn der Stoff über eine längere Zeit zusammengefaltet gelagert war. Solche Lagerungsfalten sollten herausgebügelt werden. Dazu die Seide mit einem feuchten Tuch abdecken und ohne Dampf vorsichtig bügeln.

Lassen sich der Mittelbruch und andere Lagerungsfalten nicht herausbügeln, sollten sie beim Zuschnitt besser ausgelassen werden. Denn die Seidenfasern sind an diesen Stellen bereits brüchig. Deshalb werden die Falten auch beim Waschen nicht verschwinden.

  1. Geeignete Hilfsmittel zum Fixieren verwenden

Normale Stecknadeln sind für den feinen Seidenstoff zu dick. Um unschöne Löcher zu vermeiden, sind Stoffklammern oder Nähgewichte die bessere Wahl. Die Alternative dazu sind superfeine Stecknadeln, die speziell für Seide und Satin gedacht sind.

Wichtig ist aber auf jeden Fall, dass die Stecknadeln sehr spitz sind, damit sie gut durch den Stoff rutschen. Ratsam ist außerdem, die Stecknadeln nur in der Nahtzugabe zu platzieren. Wenn hier kleine Löcher zurückbleiben, ist das nicht weiter schlimm.

  1. Auf der linken Seite anzeichnen

Rückstände vom Anzeichnen der Schnittkanten lassen sich aus Seide kaum auswaschen. Denn dazu sind hohe Temperaturen notwendig, die Seidenstoffe nicht vertragen. Deshalb sollte Seide grundsätzlich auf der linken Stoffseite angezeichnet werden.

Zum Markieren bietet sich eine Schneiderkreide aus Seife oder ein selbstlöschender Marker mit feiner Strichstärke an. Wer ein Kopierrad verwendet, sollte auf Kontrastfarben verzichten. Sie könnten auf der Vorderseite des Seidenstoffs durchschimmern.

  1. Auf scharfe Schneidewerkzeuge achten

Ein schon etwas stumpfes Schneidewerkzeug begünstigt nicht nur unsaubere Schnittkanten, sondern führt auch dazu, dass der Seidenstoff unnötig verrutscht. Wichtig ist deshalb zum einen eine scharfe Schere. Zum anderen sollte der Seidenstoff auf einer rutschfesten Unterlage liegen. Das kann zum Beispiel ein Leintuch sein.

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Außerdem sollte Seide immer nur in einfacher Stofflage zugeschnitten werden. Liegt der Stoff doppelt, können sich die beiden rutschigen Schichten leicht gegeneinander verschieben.

  1. Den Seidenstoff nicht ausfransen lassen

Damit der Seidenstoff nicht ausfranst, sollte er möglichst mit einer Zickzack-Schere im diagonalen Fadenverlauf zugeschnitten werden. Dadurch wird es möglich, die Seide in aller Ruhe zu verarbeiten. Wer keine Zickzack-Schere hat, sollte den Stoff direkt nach dem Zuschnitt mit einem Zickzack-Stich versäubern und sich erst danach um das eigentliche Nähen kümmern.

  1. Mit Papier die Stabilität erhöhen

Seidenstoffe sind einerseits ziemlich rutschig und andererseits vergleichsweise dünn. Beim Verarbeiten hat es sich deshalb bewährt, ein Papier zu Hilfe zu nehmen. Bei dem Papier kann es sich um Seidenpapier, Butterbrot- oder Backpapier, aber auch herkömmliche Küchenrolle handeln.

Das Papier wird innerhalb der Nahtzugabe mit Stecknadeln am Seidenstoff festgesteckt. Dadurch bekommt der Stoff mehr Stabilität. Anschließend kann die Seide zusammen mit dem Papier zugeschnitten werden. Auch beim Nähen mit der Nähmaschine bleibt das Papier mit der Seide verbunden.

Hier sorgt das Papier dafür, dass der Stoff weniger herumrutscht. Außerdem verhindert das Papier einen Stofffraß und hilft beim Stofftransport. Nach dem Nähen wird das Papier an der Naht entlang vorsichtig abgerissen und kleinere Reste mit den Fingern weggezupft.

  1. Einen Geradstich wählen

Je nach Seidenqualität sollte fürs Nähen eine Mikrotex- oder Universalnadel in der Stärke 60 bis 80 verwendet werden. Wichtig ist, auf eine intakte Nadel zu achten, die geschmeidig durch den Seidenstoff gleitet. Außerdem sollten immer mehrere Nadeln bereitliegen. Denn durch die Seidenfasern wird eine Nadel recht schnell stumpf.

Für die Nähte ist ein einfacher Geradstich mit einer Stichlänge zwischen 2 und 2,5 Millimetern die beste Wahl.

Zu kurze Stiche hinterlassen zu viele Löcher im Seidenstoff, bei zu langen Stichen zieht sich die Seide unschön zusammen. Am besten ist, an einem Reststück auszuprobieren, welche Stichlänge bei der jeweiligen Seidenqualität optimal ist.

  1. Langsam nähen

Seide neigt dazu, sich zu kräuseln oder auszubeulen. Aus diesem Grund sollte nicht zu stark am Stoff gezogen und eher langsam und gleichmäßig genäht werden. Sinnvoll ist außerdem, die Naht in kurzen Abständen zu kontrollieren. Das verhindert, dass längere Abschnitte wieder aufgetrennt werden müssen.

  1. Die Naht verriegeln

Bei Seidenstoffen sollte die Naht nicht automatisch von der Nähmaschine verknotet, sondern durch Vor- und Zurücknähen verriegelt werden. Dafür werden nach dem ersten Stich mit dem Handrad ein, zwei Stiche nach vorne und anschließend drei, vier Stiche zurück genäht.

Das Verriegeln von Hand sorgt zum einen für eine ordentliche Nahtlinie. Zum anderen sinkt die Gefahr, dass der Seidenstoff in die Stichplatte eingezogen wird.

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Hier schreiben Michael Husmann, 47 Jahre, Geschäftsinhaber einer B2B Stoffhandel Firma, die Künstlerin Elke Bornholt, 39 Jahre, mit einem Faible für Seidenmalerei und Bastelarbeiten, Karina Notzko, 32 Jahre und Schneidermeisterin, sowie Christian Gülcan, Betreiber der Webseite und Redakteur. Wir möchten alles Wissenswerte rund um Seide bzw. Seidenstoffe vermitteln.

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