Die Seidenstraße im ausführlichen Portrait, 3. Teil

Die Seidenstraße im ausführlichen Portrait, 3. Teil

Die Seidenstraße ist vermutlich jedem ein Begriff. Doch was es mit der sagenumwobenen Handelsroute wirklich auf sich hat, wissen vermutlich nur die wenigsten. Das fängt schon damit an, dass die Seidenstraße eigentlich gar keine Straße ist, sondern vielmehr ein weitverzweigtes Netz aus vielen Wegen und Routen.

Die Seidenstraße im ausführlichen Portrait

Nun sorgt die Seidenstraße gerade in jüngerer Vergangenheit aber immer wieder für Schlagzeilen. Denn China möchte einen Handels- und Wirtschaftsraum zwischen Asien, Europa und Afrika aufbauen. Und in Anlehnung an frühere Zeiten hat dieses Projekt den klangvollen Namen “Neue Seidenstraße”.

Wir schauen uns die legendäre Seidenstraße deshalb in einem ausführlichen Portrait an. Dabei ging es im 1. Teil um die Bedeutung der legendären Handelsroute für die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Kultur. Im 2. Teil haben wir die Seidenstraße geographisch eingeordnet.

Jetzt, im 3. Teil nähern wir uns der Seidenstraße historisch.

Die lange Geschichte der Seidenstraße

Die ersten Aufzeichnungen über den Verlauf der Seidenstraße finden sich in der griechisch-römischen Antike. Herodot beschrieb um 430 v. Chr. die verschiedenen Stationen der Route und benannte auch die Völker, die dort ansässig waren. Seinen Aufzeichnungen zufolge zog sich die Seidenstraße von der Mündung des Don nach Norden, bog dann nach Osten ab und verlief schließlich nördlich des Tian Shan bis in die westchinesische Provinz Gansu.

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Innerhalb Asiens und auch zwischen China und Europa gibt es mindestens seit der Bronzezeit Verbindungen. Der Handel mit verschiedenen Gütern und der Austausch von Wissen über die Gewinnung und die Verarbeitung von Metall bildeten die Grundlage für wirtschaftliche und diplomatische Kontakte.

Allerdings bestanden die Verbindungen nicht durchgehend, sondern waren immer wieder auch über längere Zeiträume unterbrochen.

Die Frühzeit

Im Westen trugen das Perser- und das Alexanderreich dazu bei, dass sich eine durchgehende Handelsstraße entwickelte. So legte der persische König Dareios I. im 5. Jahrhundert v. Chr. die knapp 2.700 Kilometer lange Persische Königsstraße an. Ihr östlicher Teil bestimmte den späteren Verlauf der Seidenstraße.

Alexander der Große vereinte mit seinem Großreich bis 323 v. Chr. das gesamte Gebiet zwischen dem Mittelmeer bis ins Fergana-Tal und nach Indien. Beide Reiche förderten den kulturellen Austausch und den wirtschaftlichen Handel zwischen West und Ost. Mit dem Reich der Seleukiden und dem Griechisch-Baktrischen Königreich unterstützen dann die beiden Nachfolgereiche die Entwicklung der westlichen Seidenstraße.

Ein wichtiger Meilenstein folgte, als sich China nach Westen ausbreitete. Da er die Grenzen bedroht sah, schickte Kaiser Wudi seine Armeen aus, die daraufhin im Norden, Süden und Westen viele angrenzende Staaten eroberten. Das Han-Reich verdoppelte so fast seine Größe.

China hatte Zentralasien und den Gansu-Korridor unter seiner Kontrolle und nahm auch Pamir und Fergana ein. Dadurch konnten die Handelswege zwischen China und dem Westen vollständig geöffnet werden.

Die erste Blütezeit

Nach der Öffnung am östlichen Ende der Route blühte der Handel entlang der Seidenstraße. Vor allem die Hauptstadt des Han-Reiches wurde zum beliebten Ziel von Reisenden aus dem Westen, die Luxusgüter mit im Gepäck hatten.

Ab 141 v. Chr. erlebten die Parther die Glanzzeit ihrer Macht. Unter König Mithridates II. wurde die Seidenstraße im Jahr 115 v. Chr. eingeweiht, nachdem der chinesische Kaiser eine Delegation entsandt hatte. Anders als im Ostteil, der recht sicher war, kam es im Westen ab 55 v. Chr. aber zu Auseinandersetzungen mit den Römern. Erst als Kaiser Augustus die Konflikte beenden konnte, kam der Handel mit Fernost in Schwung.

In der Spätantike bremsten die römisch-persischen Kriege den Handel zwischen Byzanz und dem Sassanidenreich ziemlich aus. Der Handel kam zwar nie ganz zum Erliegen, wurde aber deutlich schwieriger. Vermutlich fand der Ost-West-Handel in dieser Zeit zum Teil über die Arabische Halbinsel statt.

Auch der maritime Handel mit Indien hatte eine große Bedeutung. Trotzdem entwickelte sich die Seidenstraße kontinuierlich weiter. Vor allem die Völker in Mittelasien trugen dazu einen wichtigen Anteil bei.

Die zweite Hochzeit

Als die Tang-Dynastie die Perser als beherrschende Macht über die Seidenstraße im 7. Jahrhundert ablöste, erlebte die Seidenstraße ihre zweite große Blüte. Kaiser Taizong übernahm die Kontrolle über das Tarimbecken und weite Teile Zentralasiens.

Nachdem arabische Eroberungen zu Gebietsverlusten geführt hatten, gelang es dem Byzantinischen Reich im 10. und 11. Jahrhundert, wieder Zugang zur Seidenstraße zu erlangen. So blieb die Route der wichtigste Umschlagplatz für Waren aus dem Osten. Allerdings wurden die Handelswege nach dem Ende der Tang-Dynastie immer unsicherer. Dadurch wurde auch der Handelsverkehr stetig weniger.

Eine neue Ära brach erst an, als sich das Mongolische Reich im 13. Jahrhundert ausdehnte. Die Mongolen pflegten einen regen und ausgiebigen Austausch mit Fremden und ausländischen Reisenden, sobald in ihren neuen Besitztümern geordnete und stabile Verhältnisse herrschten. Ihr Machtanspruch stand der Gastfreundlichkeit nicht entgegen.

In dieser Zeit, die auch Pax Mongolica genannt wird, blühte der Handel entlang der Seidenstraße noch einmal stark auf, auch wenn er nicht so umfangreich wurde wie während der Tang-Dynastie. Der Verfall des riesigen Mongolischen Reiches läutete dann allmählich auch das Ende der Seidenstraße ein.

Das Ende

Der verstärkte chinesische Seehandel, das Aufkommen neuer Märkte im Südosten Asiens und die hohen Zölle, die die Araber forderten, trugen dazu bei, dass die Seidenstraße als Handelsroute an Bedeutung verlor. Dazu kam, dass die Flüsse, die die Wüsten im mittleren Teil der Seidenstraße mit Gletscherwasser versorgt hatten, versiegten.

Nutzten die Handelsreisenden den Seeweg, mussten sie weder die lange, beschwerliche und gefährliche Reise über Land in Kauf nehmen noch Abgaben an die Zwischenhändler bezahlen. Ihr endgültiges Aus fand die Seidenstraße, als die europäischen Seemächte in der frühen Neuzeit weltweit expandierten.

Der Handel erfolgte fortan weitestgehend über Schiffe, die die Waren zwischen China, Indien, Arabien und Europa transportieren. Gleichzeitig verfielen die einst prächtigen Städte entlang der Seidenstraße und blühende Kulturen gerieten in Vergessenheit.

Im nächsten Teil werfen wir einen Blick aufs Heute der Seidenstraße.

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