Was Seide mit Maria Sibylla Merian und der Lochkarte zu tun hat

Hintergrundwissen: Was Seide mit Maria Sibylla Merian und der Lochkarte zu tun hat

 

Seide gilt als einer der edelsten, wertvollsten und kostbarsten Stoffe überhaupt. Gleichzeitig gibt es wohl kaum einen anderen Stoff, um den sich so viele Mythen und Legenden ranken. Allein dafür, wer die Seide entdeckt hat und wie sich das Wissen um die Seidenherstellung verbreitete, existieren verschiedene Versionen.

Aber es gibt auch interessante und spannende Geschichten, die sich tatsächlich zugetragen haben. Um zwei dieser Geschichten soll es im Folgenden gehen.

 

Hintergrundwissen: Was Seide mit Maria Sibylla Merian zu tun hat

Lange Zeit glaubten die Menschen, dass Raupen aus Schlamm bestehen und so etwas wie die Brut des Teufels sind. Die teuflischen Insekten sollten die Seelen von Toten und bösen Geistern in sich tragen und als Vorboten für eine bevorstehende Gottesstrafe auf die Erde kommen.

Wenn es irgendwo eine Insektenplage gab, riet die katholische Kirche deshalb dazu, einen Exorzismus durchzuführen, um den Teufel zu vertreiben. Hinter Schmetterlingen wiederum vermuteten die Menschen Hexen. So sollten Hexen in der Gestalt von Schmetterlingen der Grund dafür sein, dass Milch und Butter schlecht wurden. Daher kommt auch der englische Name für den Schmetterling, denn im Englischen heißen die einst wenig geliebten Insekten butterfly, was ins Deutsche übersetzt Butterfliege bedeutet.

Nun gab es da aber ein junges Mädchen namens Maria Sibylla Merian. Sie war die Tochter des Kupferstechers Mathäus Merian, der sich mit seinen Skizzen und Zeichnungen von Landschaften und Städten einen Namen gemacht hatte. Im Alter von 13 Jahren stellte Maria Sibylla fest, dass die Menschen offensichtlich einem Irrglauben unterlagen. Sie hatte nämlich verschiedene Raupen und Schmetterlinge sorgsam beobachtet und dabei herausgefunden, dass es bei Insekten mehrere Entwicklungsstufen gibt.

So hatte sie erkannt, dass Schmetterlinge Eier legen. Aus diesen Eiern schlüpfen Raupen, die sich verpuppen, um danach erneut als Schmetterlinge zu schlüpfen. Diese Verwandlung, die sogenannte Metamorphose, dokumentierte Maria Sibylla in zahlreichen Zeichnungen und Kupferstichen.

Das künstlerische Talent hatte sie wohl von ihrem Vater geerbt. Auch auf die Gefahr hin, als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden, verfolgte Maria Sibylla ihr wissenschaftliches Interesse weiter und erforschte Insekten, die sie dazu in Kisten und Käfigen in ihrer Wohnung hielt. Ihre Erkenntnisse veröffentlichte sie in Büchern. 1699 begab sie sich als 52-Jährige auf eine Forschungsreise nach Südamerika, um die Insekten des Dschungels zu erforschen. Ihr Aufenthalt im Dschungel dauerte zwei Jahre lang.

Die Beobachtungen und Zeichnungen, die sie dort gemacht hatte, flossen in ihr Lebenswerk mit dem Namen Metamorphosis Insectorum Surinamensium ein.    

Aber wer weiß, wie sich die Geschichte der Seide entwickelt hätte, wenn Maria Sibylla Merian Raupen und Schmetterlinge nicht von ihrem negativen Image befreit hätte?

 

Hintergrundwissen: Was Seide mit der Lochkarte zu tun hat

1752 kam im französischen Lyon ein Junge namens Joseph Marie Jacquard zur Welt. Sein Vater war Weber, seine Mutter arbeitete als Gehilfin. Damals entstanden Stoffe am Zugwebstuhl, der aber immer von zwei Personen gleichzeitig bedient werden musste, nämlich dem Weber und einem sogenannten Ziehjungen. Josephs Eltern konnten es nicht leisten, ihren Jungen in eine Schule zu schicken.

Das Schreiben und Lesen hatte er sich wahrscheinlich selbst beigebracht. Jedenfalls arbeitete Joseph auch als Weber. Mit der Absicht, die Webtechnik zu vereinfachen und zu verbessern, baute er 1790 die Latzenzugmaschine. Hierbei handelte es sich um einen Webstuhl, der durch eine spezielle Vorrichtung von nur einer Person bedient werden konnte. Seine Erfindung verbreitete sich in der Lyoner Seidenweberei.

Joseph war aber noch nicht wirklich zufrieden, sondern wollte die Seidenwebtechnik noch weiter verbessern. Vor allem störte ihn, dass die Fäden der einzelnen Farben bei komplexeren Mustern mühsam abgezählt werden mussten. So kam er auf die Idee, ein Lochkartensystem zu entwickeln, durch das die Webmuster gesteuert werden sollten. Für sein Lochkartensystem übertrug er das jeweilige Webmuster auf Pappkarten. Die gelochten Pappkarten fügte er mit Fäden aneinander, so dass ein endloses Gelenkband entstand.

Dieses Band ließ er über eine Achse aus Holz laufen. Über die Stellen, die gelocht waren, glitten kleine Metallstifte, während die Metallstifte an den nicht gelochten Stellen zurückgehalten wurden. Wenn das Muster komplett übertragen war, wurden die Fäden aufgenommen und verwebt. Seinen Jacquard-Webstuhl stellte der Franzose übrigens 1805 vor. 

Das Besondere an der Lochkartensteuerung ist, dass Jacquard zum ersten Mal 0 und 1 nutzte, um die Daten eines Webmusters zu speichern und zu übertragen. Der Jacquard-Webstuhl legte den Grundstein für die industrielle Massenproduktion in der Textilindustrie. Der Seidenweber Jacquard setzte sich damit ein Denkmal, denn bis heute werden komplizierte Stoff-, Web- und Strickmuster als Jacquard-Muster bezeichnet.

Aber die Lochkarte hat nicht nur eine Bedeutung für die Herstellung von Seidenstoffen. 1890 erstellte der US-amerikanische Ingenieur erste Statistiken mithilfe der Lochkarte. Außerdem bildet sie das Fundament für unsere heutigen Computer. Die Lochkarte selbst fand zwar nur bei den ganz frühen Computergenerationen Verwendung. Die binäre Information 0 und 1 hingegen ist die Basis von Software.

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