Tipps zum Zuschneiden und Nähen von Seidenstoffen

Tipps zum Zuschneiden

und Nähen

von Seidenstoffen

 

Eigentlich ist Seide fast so etwas wie ein kleines Wunder der Natur. So wird Seide von den Maulbeerspinnerraupen produziert, die rund einen Monat nach ihrem Schlüpfen damit beginnen, einen Kokon aus Seidenfäden zu bauen. Diese Kokons werden anschließend vorsichtig abgehaspelt und aus den scheinbar endlos langen Seidenfäden werden edle und kostbare Seidenstoffe wie Pongé, Taft, Chiffon, Organza oder Crêpe de Chine hergestellt.

Neben den gezüchteten Seidenraupen gibt es aber auch wild lebende Seidenspinner, der bekannteste Vertreter ist der Tussahspinner.

 

Aus seinen Kokons wird die sogenannte Tussah- oder Wildseide gewonnen, die etwas weniger glänzt und matter sowie unregelmäßiger, dafür aber auch robuster ist. Dies liegt daran, dass Wildseide aus kürzeren Seidenfäden hergestellt wird, denn die Kokons werden erst verarbeitet, nachdem der Tussahspinner geschlüpft ist.

Aber unabhängig davon, ob es sich um echte Seide oder um Wildseide handelt, gehört Seide auch heute noch zu den kostbarsten und luxuriösesten Naturstoffen, die es gibt. Seide sieht jedoch nicht nur gut aus, sondern weist auch eine Reihe von positiven Eigenschaften auf, die für ein überaus angenehmes Tragegefühl sorgen.

Wer selbst Seidenstoffe verarbeiten möchte, braucht ein wenig Feingefühl. Seide ist nämlich etwas anspruchsvoller als robuste Stoffe wie beispielsweise Baumwolle oder Leinen. Mit den richtigen Tricks ist aber auch der Umgang mit Seide keine allzu große Herausforderung mehr.

 

Hier also ein paar Tipps zum Zuschneiden und Nähen
von Seidenstoffen in der Übersicht:

 

Das Zuschneiden von Seidenstoffen

Bevor ein Seidenstoff zugeschnitten wird, sollte er auseinandergefaltet und der Mittelbruch glatt gebügelt werden. Ist es nicht möglich, den Mittelbruch durch Bügeln zu beseitigen, sollte die Seide möglichst ohne den Mittelbruch zugeschnitten werden. Dieser würde nämlich auch später noch, selbst nach mehrmaligem Waschen und Bügeln, erhalten bleiben.

Das Übertragen der Nahtlinien funktioniert sehr gut mithilfe von einem glatten Kopierrädchen oder mittels Kopierpapier. Bei hellen oder transparenten Seidenstoffen sollte jedoch immer nur weißes Kopierpapier verwendet werden. Kopierpapier in einer Kontrastfarbe birgt die Gefahr, dass es auch auf der rechten Stoffseite zu sehen ist.

Sicherheitshalber sollte das Kopierpapier aber ohnehin zunächst an einem kleinen Stoffrest ausprobiert werden. Zudem werden die Nahtlinien immer nur auf der linken Stoffseite markiert.  

Um die Seide zu schützen, ist es ratsam, eine Gewebeeinlage zum Aufbügeln zu verwenden. Im Fachhandel ist eine spezielle Vlieseline erhältlich, die so hauchzart ist, dass sie sogar auf sehr feine und transparente Seidenstoffe aufgebracht werden kann. Vlieseline wird üblicherweise in weiß, schwarz und hautfarben angeboten und bei mäßiger Temperatur trocken aufgebügelt.

 

Das Nähen von Seidenstoffen

Seidenstoffe können sowohl von Hand als auch mit der Nähmaschine genäht werden. Bei normalen Seidenstoffen wird dabei üblicherweise mit einer 70er oder 80er Universalnadel gearbeitet, bei sehr zarten Seidenstoffe empfiehlt sich eine 60er oder 70er Microtexnadel. Sehr wichtig ist jedoch, darauf zu achten, dass die verwendete Nadel eine einwandfreie, absolut unbeschädigte Spitze hat.

Andernfalls kann es nämlich passieren, dass die defekte Nadelspitze Fäden zieht oder gar Löcher in den Seidenstoff reißt. Die Nähte sollten eine Stichlänge zwischen 2 und 2,5 Millimetern haben. Bei größeren Stichen könnte sich die Naht zusammenziehen, kleinere Stiche sind jedoch nicht notwendig. Als Garn eignet sich am besten ein Universalnähgarn aus Polyester. Lediglich für das Versäubern der Nahtzugaben ist es ratsam, auf ein feineres Maschinenstick- oder Maschinenstopfgarn zurückzugreifen.

Um Seide zu nähen, kommen verschiedene Nähte in Frage. Sehr häufig wird jedoch die sogenannte Französische Naht verwendet, die sich hervorragend für Seide, andere dünne Stoffe oder Kleidungsstücke ohne Futter oder mit sichtbaren Innennähten eignet.

Gearbeitet wird die Französische Naht wie folgt:

  • ·         Zuerst werden die beiden Stoffteile links und links aufeinandergelegt und mit Stecknadeln fixiert.
  • ·         Als nächstes werden die Stoffteile etwa 5 Millimeter breit abgesteppt. Sofern notwendig, wird die Nahtzugabe dann noch etwas zurückgeschnitten. Anschließend werden überstehende Fäden abgeschnitten und die Naht von beiden Seiten gebügelt. 
  • ·         Nun wird der Stoff genau an der Naht rechts auf rechts aufeinandergelegt und erneut festgesteckt.
  • ·         Jetzt werden die beiden Stoffteile noch einmal etwa 10 Millimeter breit abgesteppt. Zum Schluss wird die Naht dann gebügelt und dabei die Nahtzugabe auf eine Seite umgelegt.

Da das Prinzip der Französischen Naht also darin besteht, die beiden Stoffstücke erst links auf links zusammenzulegen, abzusteppen, dann rechts auf rechts zusammenzulegen und noch einmal abzusteppen, wird die Französische Naht auch Doppelnaht oder Rechts-Links-Naht genannt.

 

Die Pflege von Seidenstoffen

Seidenstoffe wie Georgette, Chiffon, Taft, Satin, Organza oder Seidenbrokat sollten am besten in die Reinigung gegeben werden. Gleiches gilt für bedruckte und bestickte Seidenstoffe. Diese Seidenstoffe sind nämlich recht empfindlich und die Farben könnten beim Waschen in der Waschmaschine zu sehr ausbluten. Kleidungsstücke, die selbst gewaschen werden können, beispielsweise unifarbene Tops und Blusen, sollten immer nur in handwarmem Wasser oder im Seidenwaschprogramm der Waschmaschine gewaschen werden.

Die nasse Seide wird anschließend liegend oder auf einem Kleiderbügel hängend getrocknet, ohne sie vorher großartig auszuwringen oder gar zu schleudern. Zudem sollte die Seide eher langsam trocknen können, also weder direkt neben einem Heizkörper noch in direkter Sonne platziert werden. Soll die Seide gebügelt werden, sollte dies erfolgen, solange die Seide noch feucht ist.

Dabei wird die Seide bei mäßiger Temperatur, von links und ohne Dampf gebügelt, denn die Wassertropfen könnten unschöne Flecken auf dem edlen Stoff hinterlassen. Ist es nicht möglich, die Seide von der linken Seite zu bügeln, sondern muss das Bügeln auf der rechten Seite erfolgen, sollte zum Schutz ein dünnes Tuch auf die Seide gelegt werden. Dadurch sinkt die Gefahr, dass sich Glanzstellen auf der Seide bilden.

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