Seide als Stoff: Basistipps zur Verarbeitung

Seide als Stoff: Basistipps zur Verarbeitung  

Seide punktet mit vielen positiven Eigenschaften. Doch als Stoff ist das edle Gewebe ganz schön anspruchsvoll. Hier deshalb Basistipps zur Verarbeitung von Seide!

Seide gehört zu den edelsten Stoffen überhaupt und galt lange Zeit als echtes Luxusgut. Neben der anmutigen Optik mit ihrem sanften Schimmer zählen die glatte Beschaffenheit und der fließende, lockere Fall zu ihren besonderen Markenzeichen. Doch gerade diese Markenzeichen machen die Verarbeitung von Seide nicht ganz einfach.

Denn beim Zuschnitt kann der Stoff ausfransen und beim Nähen können die dünnen, glatten Stofflagen schnell verrutschen oder es können sich unschöne Wellen bilden. Und wenn das Seidenteil fertig ist, will es richtig gepflegt werden.

Damit künftig alles wie gewünscht klappt, haben wir Wissenswertes zu den Stoffeigenschaften und ein paar Basistipps zur Verarbeitung von Seide als Stoff zusammengestellt:

 

Die Herkunft von Seide

Seide wird aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen. Hauptlieferant ist der Maulbeerspinner. Bevor er schlüpft, werden die Kokons eingesammelt, abgekocht und abgewickelt. Dadurch entstehen endlos lange Fäden, die versponnen und zu Seidenstoffen verarbeitet werden. Seide ist eine Naturfaser und besteht überwiegend aus Eiweißen. Und weil die Struktur der Seide in ähnlicher Form auch beim Menschen vorkommt, können Allergiker und Menschen mit sehr empfindlicher Haut Seide meist gut tragen.

Neben der glatten, weißen Maulbeerseide gibt es noch die Wildseide. Sie wird vom Tussahspinner produziert. Auch Wildseide wird aus den Kokons gewonnen, allerdings erst, nachdem der Tussahspinner geschlüpft ist. Da der Kokon beim Ausschlüpfen beschädigt wird, sind die Seidenfäden kürzer. Wildseide hat deshalb eine unregelmäßigere Oberfläche. Außerdem ist Wildseide eher beige bis bräunlich.

 

Die Stoffeigenschaften von Seide

Seide verfügt über eine nur geringe Dichte. Sie ist leicht, fällt weich und fühlt sich auf der Haut sehr angenehm an. Trotz des fließenden Falls und der glatten Oberfläche ist Seide aber erstaunlich formbeständig. Und: Seide isoliert sehr gut. So wärmt sie im Winter und kühlt im Sommer. Optisch punktet die edle Seide durch ihren sanften, leicht schimmernden Glanz. Wie fast alle Naturfasern lässt sich Seide sehr gut färben.

Seide wird vor allem für Nachtwäsche, edle Unterwäsche, Brautkleider und im Bereich der Abendgarderobe verwendet. Daneben werden Kleider, Blusen und Hemden, Hosen, Anzüge und Kostüme oder Accessoires wie Krawatten und Tücher aus Seide gefertigt. Weil Seide kostbar und teuer ist, sind Kleidungsstücke aus Seide aber eher im oberen Preissegment zu finden. Außerdem wird Seide für hochwertige Heimtextilien wie Vorhänge oder Bettwäsche eingesetzt.

 

Das Zuschneiden von Seide

Wenn die Seide für den Zuschnitt angezeichnet wird, ist es ratsam, entweder Schneiderkreide oder einen selbstlöschenden Textilstift zu verwenden. Außerdem sollte der Stoff immer nur auf der linken Seite, also der Rückseite, angezeichnet werden. Denn anders als beispielsweise Baumwolle oder Leinen kann Seide nicht bei hohen Temperaturen in der Waschmaschine gewaschen werden, um die Überbleibsel der Vorzeichnung zu entfernen.

Wird die Seide für den Zuschnitt doppelt gelegt oder soll das Schnittmuster auf dem Stoff fixiert werden, bieten sich möglichst dünne Nadeln an, um ein Verrutschen zu verhindern. Dabei sollten die Nadeln nur in den Bereichen eingearbeitet werden, die als Nahtzugaben vorgesehen sind. Auf diese Weise sind später keine Löcher zu sehen.

Der Zuschnitt selbst sollte immer mit einer sehr scharfen Schere erfolgen. Andernfalls ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Stoff stark ausfranst. Generell neigt Seide aber dazu, auszufransen. Deshalb sollte der Stoff direkt nach dem Zuschnitt mit einem einfachen Zickzack- oder noch besser einem Overlock-Stich versäubert werden. Nach Möglichkeit sollte der Stoff außerdem im schrägen Fadenverlauf geschnitten werden. Dadurch franst die Seide weniger aus.

 

Das Nähen von Seide

Seide ist vergleichsweise teuer. Und der Stoff verzeiht wenig Fehler. Muss eine Naht wieder aufgetrennt werden, werden die Einstichspuren in den meisten Fällen sichtbar bleiben. Zudem kann es schwierig werden, die Seide an der gleichen Stelle noch einmal sauber und ordentlich zu vernähen.

Ratsam ist deshalb, zunächst ein Musterexemplar aus Nessel anzufertigen. Nessel ist ein kostengünstiger Baumwollstoff, der sich ähnlich verhält wie Seide, aber sehr viel leichter zu verarbeiten ist. Außerdem lassen sich auf Nessel problemlos Änderungen vornehmen. Insofern eignet sich Nessel sehr gut, um herumzuexperimentieren und auch verschiedene Nähte auszuprobieren. Gefällt das Probemodell aus Nessel, können die Arbeitsschritte mit der Seide wiederholt werden.

Beim Nähen der Seide sollten die Einzelteile geheftet werden. Andernfalls passiert es schnell, dass der glatte Stoff verrutscht. Geheftet werden sollten die Seidenteile mit einer möglichst dünnen Nadel und im Bereich der Nahtzugaben. Auch beim Nähen selbst sollte eine dünne Nadel verwendet werden. So lassen sich unnötig große Löcher im edlen Stoff vermeiden.

Übrigens: Eine beliebte Naht bei Seide ist die französische Naht. Sie wird auch als Doppelnaht oder Recht-Links-Naht bezeichnet. Und eine Anleitung dafür gibt es hier.

 

Das Waschen und Bügeln von Seide

Seide reagiert empfindlich auf Deo und Parfüm. Auch Bleichmittel und direkte Sonneneinstrahlung bekommen ihr nicht gut. Muss ein Seidenteil gewaschen werden, ist es aber in den meisten Fällen nicht notwendig, es in die Reinigung zu geben. Auch durch eine Wäsche von Hand wird das edle Stück wieder sauber, wenn ein paar Kleinigkeiten beachtet werden:

·         Für die Wäsche sollte ein spezielles Seidenwaschmittel oder eine milde Seife verwendet werden. Babyshampoo ist ebenfalls mild, beim Waschen von Seide aber bestenfalls als Notlösung geeignet.

·         Helle Seidenteile ohne Muster werden in ein lauwarmes Bad gegeben. Darin sollten sie etwa fünf Minuten lang einweichen. Anschließend werden sie behutsam hin und her bewegt. Im nassen Zustand ist Seide sehr empfindlich. Ein wildes Reiben oder Auswringen ist deshalb tabu. Nach dem Einweichen wird die Seide mit reichlich kaltem Wasser ausgespült. Beim letzten Spülgang kann ein kleiner Schuss Essig verwendet werden. Der Essig beseitigt die letzten Waschmittelreste und frischt zugleich die Farbe auf.

·         Dunkle und bedruckte Seidenteile werden nicht eingeweicht. Sie werden stattdessen nur kurz in kaltem Wasser ausgewaschen.

·         Die gewaschenen Seidenteile werden in ein trockenes Handtuch eingewickelt. Das Handtuch saugt die Feuchtigkeit auf. Zum Trocknen werden die Teile ausgerollt und flach hingelegt oder auf einem Kleiderbügel aufgehängt.

Beim Bügeln sollte die Seide immer leicht feucht sein. Allerdings ist es keine gute Idee, die Seide einzusprühen. Denn dadurch könnten Flecken zurückbleiben. Außerdem darf die Seide nicht zu heiß gebügelt werden. Ähnlich wie unsere Haare, denen ein heißes Glätteisen nicht gut bekommt, setzt auch der Seide ein heißes Bügeleisen zu. Gebügelt wird Seide ohne Dampf und immer nur auf der linken Seite. Etwas Seidenpapier oder ein dünnes Tuch, das beim Bügeln in das Seidenteil gelegt wird, verhindert, dass sich die Nähte unschön abzeichnen.

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