Hintergrundwissen zu Kunstseide (Viskose)

Hintergrundwissen zu Kunstseide (Viskose)

 

Seide kennzeichnet sich unter anderem durch ihren besonderen Glanz und ihre außergewöhnliche Geschmeidigkeit. Zudem ist Seide erstaunlich robust und stabil, obwohl sie aus sehr, sehr feinen Fäden besteht. Allergiker und Personen mit empfindlicher Haut, die mit anderen Materialien so ihre Schwierigkeiten haben, können Seide meist gut tragen. Textilien, die aus Kunstseide hergestellt sind, weisen ähnliche Eigenschaften auf. Doch die chemische Struktur von Kunstseide hat mit der von echter Seide nichts gemeinsam.

 

Hintergrundwissen zu Kunstseide

Kunstseide ist die traditionelle Bezeichnung für halbsynthetische Fasern aus Cellulose. Heute wird im Zusammenhang mit Kunstseide von Cellulose-Fasern gesprochen. Halbsynthetisch heißt, dass es sich beim Ausgangsstoff um einen Naturstoff handelt.

Dieser Naturstoff wurde im Zuge der Verarbeitung chemisch oder physikalisch behandelt. Weil ein Naturstoff die Grundlage bildet, werden halbsynthetische Fasern auch abgewandelte Naturfasern genannt. Im Unterschied dazu entstehen vollsynthetische Fasern durch eine chemische oder physikalische Behandlung von einem künstlichen Ausgangstoff.

Die chemischen Strukturen von Kunstseide und echter Seide haben nichts miteinander zu tun. Echte Seide ist nämlich ein Protein und damit ein Polyamid. Kunstseide hingegen besteht aus Cellulose und ist somit ein Polysaccharid. Dass Kunstseide trotzdem die Seide als Wortbestandteil enthält, erklärt sich mit den Eigenschaften, die Textilien aus Kunstseide aufweisen.

Textilien aus Kunstseide fühlen sich nämlich fast so an wie Seide und haben oft den für Seide typischen, schimmernden Glanz. Sie sind angenehm weich und knitterarm. Außerdem besteht auch Kunstseide aus sehr feinen Fäden. Ein Vorteil von Kunstseide gegenüber echter Seide ist, dass Kunstseide in Sachen Pflege meist deutlich weniger anspruchsvoll ist.

 

Kunstseide in Form von Viskose

Die mit Abstand wichtigste Kunstseide ist Viskose, gefolgt von Celluloseacetat und Kupferseide. Ein anderer Name für Viskose, der vor allem in den USA verwendet wird und sich häufig auf den Etiketten von Kleidung aus dem Ausland findet, ist Rayon.

Viskose wird hauptsächlich für luftige Blusen, Sommerkleider und Kleidungsstücke, die schön locker fallen sollen, genutzt. Außerdem ist Viskose ein beliebtes Material für Stoffe, die wie beispielsweise Futterstoffe einen edlen, seidig glänzenden Schimmer haben sollen. Neben Kleidung und Textilien wird aus Kunstseide auch die dünne Folie hergestellt, die die meisten unter der Bezeichnung Cellophan kennen dürften. Verbandmaterial enthält ebenfalls Viskose.

Aus chemischer Sicht handelt es sich bei Viskose um Cellulose-Fasern. Genauer gesagt, liefert Cellulose das Grundgerüst für die Kunstseide. Viskose selbst ist eigentlich Cellulose-Xanthogenat. Dieser Stoff, eine zähflüssige Masse mit einer orangegelben Farbe, entsteht durch das sogenannte Viskose-Verfahren. Die Reste an Xanthogenat werden aber fast vollständig abgespalten. Deshalb bestehen die Fasern von Viskose im Prinzip nur noch aus Cellulose.

 

Das Viskose-Verfahren

Kunstseide in Form von Viskose besteht aus Cellulose. Cellulose wiederum wird aus Pflanzenfasern und hier in erster Linie aus Bäumen gewonnen. Um Kunstseide herzustellen, findet das Viskose-Verfahren Anwendung. Dieses Verfahren läuft in mehreren Schritten ab:

·         Im ersten Schritt wird die Cellulose aus dem Holz gewonnen. Dafür stehen verschiedene Aufschlussverfahren zur Auswahl. Heutzutage werden meist organische Lösungsmittel wie Ethanol oder Methanol verwendet, um die im Holz enthaltenen Begleitstoffe herauszulösen. Als Ergebnis bleibt der Zellstoff, der hauptsächlich aus Cellulose besteht, als feinfaserige Masse zurück.

·         Der Zellstoff als Ausgangsstoff für die Viskose wird in einer 18 bis 22-prozentigen Natronlauge eingeweicht. Dadurch entsteht Alkalicellulose, das ist das Natriumsalz der Cellulose. Die Alkalicellulose wird gepresst und anschließend zu einer krümeligen Fasermasse zerkleinert. Diese Masse muss nun ungefähr anderthalb Tage lang ruhen. Die Ruhephase wird als Vorreife bezeichnet.

·         Nach der Vorreife wird die Alkalicellulose bei 25 bis 30 Grad Celsius ungefähr drei Stunden lang mit Schwefelkohlenstoff behandelt. Dadurch entsteht die zähflüssige, orangegelbe Masse namens Cellulose-Xanthogenat.

·         Damit die Masse zu Viskosefasern verarbeitet werden kann, wird nun die sogenannte Spinnlösung hergestellt. Dafür wird das Cellulose-Xanthogenat in einer 7-prozentigen Natronlauge gelöst. Im Vakuum wird der Lösung die enthaltene Luft entzogen, danach muss die Lösung zwei bis drei Tage lang ruhen. Diese Ruhephase nennt sich Nachreife. 

·         Die gereifte Spinnlösung wird nun durch feine Düsen in das sogenannte Fäll- oder Spinnbad geleitet. Beim Fällbad handelt es sich um eine Lösung aus Schwefelsäure und Sulfaten. In dem Fällbad spalten sich die Schwefelkohlenstoffmoleküle, die an die Cellulose gebunden sind, größtenteils wieder ab. Neben Schwefel, Schwefelwasserstoff, Schwefelkohlenstoff und Natriumsulfat bildet sich dadurch nun auch die Viskosefaser. Durch die Abspaltungsprozesse besteht die Viskosefaser nahezu aus reiner Cellulose.

Die Viskosefasern werden jetzt ausgewaschen, um sie von schädlichen Restsoffen zu befreien. Danach werden die Fasern getrocknet und gebleicht. Weiterverarbeitet zu Fäden, können aus den Viskosefasern nun Kunstseiden hergestellt werden, aus denen dann Textilien und andere Produkte entstehen.

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