Hereke Seidenteppiche – Infos und Erkennungsmerkmale

Hereke Seidenteppiche – Infos und Erkennungsmerkmale

 

Hereke Seidenteppiche blicken auf eine schon sehr lange Tradition zurück. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb gehören sie auch heute noch zu den feinsten, schönsten und qualitativ hochwertigsten Teppichen der Welt. Oft wurde versucht, die türkischen Seidenteppiche zu kopieren und zu imitieren.

Auch wenn die kostengünstigeren Imitate durchaus sehr dekorativ sein und zudem eine gute Qualität aufweisen können, kommen sie an die echten Hereke Seidenteppiche nicht heran.

Aber was macht einen Seidenteppich aus Hereke aus? Gibt es bestimmte Kriterien, an denen auch ein Laie erkennen kann, ob es sich um einen echten Hereke Seidenteppich oder um ein Imitat handelt?

 

Hier die wichtigsten Infos und Erkennungsmerkmale
von Hereke Seidenteppichen in der Übersicht:

 

Die Herkunft und das verwendete Material

Wie der Name bereits andeutet, stammt ein echter Hereke Seidenteppich aus Hereke. Das bedeutet, der Teppich wurde nicht irgendwo in der Türkei oder in einem anderen Land geknüpft. Der Name Hereke steht auch nicht für bestimmte Muster, Formen oder Farbzusammenstellungen. Stattdessen entsteht ein echter Hereke Seidenteppich tatsächlich immer in Hereke.

Wurde der Teppich woanders produziert oder erzählt der Verkäufer irgendwas von einem Seidenteppich mit Hereke-Mustern, so handelt es sich höchstwahrscheinlich um keinen echten Hereke Seidenteppich.

Das Material, aus dem ein echter Hereke Seidenteppich besteht, ist Seide aus Bursa. Auch hier gibt es keine Alternativen. So wird bei einem echten Teppich weder Seide aus Indien oder China noch aus Brasilien verwendet. Stattdessen stammt die Seide für den echten Hereke Seidenteppich ausnahmslos aus der türkischen Stadt Bursa. Durch die verwendete Seide weist ein Originalteppich eine ganz bestimmte Griffigkeit auf. Wird mit der Hand in Richtung des Flors über den Teppich gestrichen, fühlt sich die Oberfläche so an, wie wenn über menschliche Haut gestreichelt wird. Wird nun mit der Hand in die entgegen gesetzte Richtung gestrichen, also gegen den Flor, erinnert die Oberfläche an Samt.  

 

Die Knüpfdichte

Ein echter Hereke Seidenteppich entsteht immer in Handarbeit. Dabei liegt die Knüpfdichte bei mindestens 10 x 10 Knoten pro Quadratzentimeter. Bei besonders hochwertigen und feinen Teppichen kann die Knotenzahl aber auch deutlich höher liegen. Je höher die Knüpfdichte ist, desto teurer wird der Teppich aber auch, weshalb Seidenteppiche mit beispielsweise 35 x 35 Knoten pro Quadratzentimeter in erster Linie gutbetuchten Liebhabern und Kunstsammlern vorbehalten sein dürften.

Die meisten Teppichhändler können mit einem Knotenzähler weiterhelfen, wenn der Kunde die Knoten nachzählen möchte. Ansonsten sollte der Kunde an verschiedenen Stellen testen, ob der Teppich auf einem Quadratzentimeter wirklich mindestens 10 Knoten senkrecht und 10 Knoten waagerecht aufweist. Kleinere Abweichungen sind immer möglich, dies ist der Handarbeit geschuldet. Schwanken die Knotenzahlen jedoch deutlich, ist Skepsis angebracht.

Geknüpft werden die Knoten mit dem sogenannten türkischen Doppelknoten. Dieser Knoten bietet einerseits den Vorteil, dass er sehr stabil und fest ist. Der Seidenteppich weist dadurch trotz des feinen Materials eine sehr hohe Strapazierfähigkeit auf. Andererseits verlaufen die Seidenfäden durch die Knüpftechnik im 45 Grad-Winkel.

Dies hat zur Folge, dass die Farben je nach Blickwinkel unterschiedlich schimmern. Ist eine Reihe geknüpft, werden die Knoten erst mit einer Art Kamm zusammengeschoben und der Flor anschließend mit speziellen Scheren getrimmt. So entsteht die gleichmäßige, feine Struktur. 

 

Das Muster

Ein Hereke Seidenteppich kann verschiedene Muster haben. Typische Motive sind Blumen, Zweige und Blätter sowie Vögel, der Lebensbaum und die Mihrap, eine zusammen mit Öllampen dargestellte Gebetsnische. Neben traditionellen Motiven und typisch osmanischen oder türkischen Mustern werden heute aber auch Hereke Seidenteppiche mit moderneren, dem Zeitgeschmack angepassten Mustern geknüpft.

Typische Farben für Hereke Seidenteppiche sind ein tiefes Dunkelblau, ein strahlendes Rot, ein lebendiges Grün, ein leuchtendes Gelb und verschiedene Naturtöne in allen Nuancen. Durch die Knüpftechnik ist das Muster auf der Rückseite übrigens genauso klar und deutlich zu erkennen wie auf der Vorderseite.

 

Das Zertifikat

Ein echter Hereke Seidenteppich wird üblicherweise mit einem Zertifikat verkauft. Je nachdem, wer das Zertifikat ausgestellt hat, kann es unterschiedlich aussehen. Meistens sind darauf aber eine Seriennummer und der Name samt Anschrift des Herstellers angegeben. Außerdem sind die Herkunft des Teppichs, das verwendete Material, die Knüpfdichte, der Name des Musters und die Größe des Teppichs aufgeführt.

Zusätzlich dazu ist oft der Teppich abgebildet. Wichtig ist, dass auf dem Zertifikat steht, dass es sich um einen echten oder einen originalen Hereke Seidenteppich handelt. Ist auf dem Zertifikat lediglich davon die Rede, dass der Teppich in Handarbeit hergestellt wurde oder ein türkisches oder anatolisches Produkt ist, wird es sich zwar vermutlich um einen sehr schönen Seidenteppich, aber eben nicht um einen echten Hereke handeln. Übrigens lässt sich eine Fälschung auch dadurch enttarnen, dass ein Siegel durch den Teppich gezogen ist.

Ein echter Hereke Seidenteppich gilt als einmaliges und sehr wertvolles Kunstwerk, das teilweise als Anlageobjekt erworben wird. Genauso wie bei einem Gemälde käme folglich kein Händler oder Sammler auf die Idee, sein Kunstwerk durch ein Loch zu beschädigen.

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